Kunduz? Für die Bundeswehr ist die Stadt im Norden Afghanistans ein Symbol des Krieges gegen den Terrorismus. Zehn Jahre kontrolliert die Isaf-Schutztruppe die Provinz. Aber was wissen sie von dem zehnjährigen Mirwais, der den Leuten die Schuhe putzt, damit zu Hause genügend Brot auf den Tisch kommt? Was von Ghulam und Khatera, die mit einfachsten Mitteln einen Liebesfilm auf den Straßen der Stadt drehen? Was von Nazanin, der jungen Reporterin der Frauensendung des Lokalradios?
Regisseur Martin Gerner stellt sie in seinem Film „Generation Kunduz“ vor. Im gut besuchten Thalia-Kino führte er mit dem Premierenpublikum ein lebhaftes Gespräch. Denn Gerner, der seit über acht Jahren immer wieder das Land am Hindukusch besucht, spricht Persisch und begab sich für die Dreharbeiten mitten unter die Einheimischen. So gewann er tiefe Einblicke in Denken und Alltag der Afghanen, die den geläufigen Klischees widersprechen.
Bundeswehrsoldaten bedanken sich für den Film
So trägt Nazanin die Burka, wenn sie nach draußen geht, auch wenn sie für Gleichberechtigung kämpft. Die Verhüllung macht sie als Frau unantastbar in der Öffentlichkeit. Gerner porträtiert eine Generation, die zwischen radikalen Taliban und ausländischem Militär aufgewachsen ist. Mitunter klingen Zweifel und Ängste an, ob sich ihr Land zum Guten entwickelt. Der Regisseur musste versprechen, dass seine Aufnahmen nicht in Afghanistan gezeigt werden, damit freimütige Aussagen nicht zum Verhängnis werden. Und weil leicht der Verdacht aufkommt, die Leute vor der Kamera seien von den Ausländern bezahlt worden.
Seine Gesprächspartner dagegen „fühlen sich gut getroffen in ihrer Dynamik, ihr Leben zu gestalten“, sagte Gerner. Wie er im Thalia aus dem Publikum viel Lob erhielt, reagierten auch Bundeswehrsoldaten. „Meist melden sie sich erst nach dem Publikumsgespräch bei mir und bedanken sich für den Film“, berichtete der Regisseur. (loi)
„Generation Kunduz“ soll ab 19.April im Kinodreieck täglich laufen.