Mittwoch, 24. August 2016

12. Januar 2016 10:04 Uhr

Augsburg

Fünf Flüchtlinge aus Augsburg erzählen ihre Geschichte

Fünf Menschen erzählen, warum sie ihre Heimat verlassen mussten, wie sie Augsburg sehen und was sie sich für ihr Leben in Deutschland erhoffen. Von Michael Eichhammer

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Viele Flüchtlinge kommen nach Augsburg. Fünf von ihnen erzählen hier ihre Geschichte.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolfoto)

Wer sind die Menschen, die in Augsburg auf die Entscheidung über ihren Asylantrag warten? Und wie geht es ihnen bei uns? Wir haben uns mit fünf Teilnehmern eines vom Netzwerk4A vermittelten Deutschkurses unterhalten.

Gabriel A. (39) aus Nigeria hofft hier auf ein besseres Leben

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„Ich liebe Augsburg“, sagt Gabriel A.: „Die Stadt ist klein und gemütlich.“ Zumindest, wenn man die Hauptstadt seiner Heimat Nigeria zum Vergleich heranzieht, denn die Bevölkerung in Abuja ist mit eineinhalb Millionen Einwohnern mehr als fünf Mal so groß wie die der schwäbischen Metropole. Gabriel hofft auf ein besseres Leben in Deutschland, weil sein Heimatland sowohl von der allgegenwärtigen Korruption und der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit als auch von der Boko Haram gegeißelt wird. Die Terroristen-Bewegung bekämpft die westliche Lebensart und Bildung.

„Ich dachte, in Deutschland kann man viel Arbeit haben und ein gutes Leben führen“, erzählt Gabriel. Eine Hoffnung, die sich bisher nicht erfüllt hat. Auf die Genehmigung seines Asylantrags – und damit auch auf die Arbeitserlaubnis – wartet der 39-Jährige allerdings schon lange: Seit viereinhalb Jahren hofft der Buchhalter darauf, seinen Beruf in Augsburg ausüben zu dürfen. Er ist allerdings skeptisch, ob das für einen Ausländer möglich ist.

Trang N. (30) aus Vietnam möchte anderen helfen

Über die Probleme, die ihr den Verbleib in ihrer Heimat unmöglich machten, will Trang nicht öffentlich sprechen. Die Vietnamesin schaut lieber nach vorn. „Augsburg ist sehr schön“, findet die 30-Jährige, auch wenn sie sich an die kälteren Temperaturen erst gewöhnen muss. Schwaben hat sie sich nicht als konkretes Ziel ausgesucht. „Ich wollte einfach nur weit weg von Vietnam“, sagt die gelernte Köchin. Die Kommunistische Partei Vietnams (KPV) ist die einzige legale Partei in Vietnam. Politisches Engagement war Trang aufgrund ihres christlichen Glaubens verboten.

Auch private Probleme führten zu ihrer Flucht. „Manche begegnen mir erst einmal etwas ruhig, doch wenn man mit den Menschen redet, sind sie nett“, sagt die Vietnamesin über die Augsburger. „Ich hatte nicht mit so viel Hilfsbereitschaft gerechnet.“ In dem knappen Jahr, das Trang bereits hier ist, hat sie Freunde gefunden, unter anderem in der Deutsch-Lerngruppe. Trang will besser Deutsch und Englisch lernen, „um anderen helfen zu können, die wie ich Probleme haben“.

Ibrahim M. (50) aus Syrien lebt seit einem halben Jahr hier

„Es gibt Ruhe hier und viele sympathische Leute“, sagt Ibrahim auf die Frage, was er an Augsburg mag. Ibrahims Wohnung in Syrien wurde im Krieg vom Assad-Regime zerstört. Er zog zunächst innerhalb von Damaskus um, bevor er mit der Familie nach Ägypten ging. Doch auch dort fand er keine langfristige Bleibe, denn seine Aufenthaltserlaubnis wurde nicht verlängert.

In Deutschland ist der 50-Jährige nun seit gut einem halben Jahr. „Ich habe neue Freunde gefunden, auch deutsche Freunde“, erzählt der Ingenieur. Ibrahim und seine Familie kamen zunächst in München an. Die Weiterreise nach Augsburg war nicht seine eigene Entscheidung, doch sei er glücklich darüber. Nun hofft der Syrer, seinen Beruf hier ausüben zu können.

Amtal S. (39) aus Pakistan wurde wegen ihres Glaubens verfolgt

Die Ereignisse in ihrer Heimat haben Amtal tief geprägt. Die 39-Jährige will anonym bleiben, weil sie fürchtet, der Artikel könnte über das Internet auch in Pakistan publik werden und negative Folgen für ihre Familie haben. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren in Pakistan immer wieder staatliche Willkür gegen Regierungskritiker und ethnische Minderheiten. Als Anhängerin einer kleinen muslimischen Glaubensrichtung sagte man Amtals Familie nach ihren Worten immer wieder: „Ihr seid keine richtigen Muslime.“

Die Familie hatte in der Heimat aufgrund ihres Glaubens täglich Ärger mit der Polizei, berichtet sie. Ihre Tochter darf wegen ihrer Religion nicht studieren. „Sie weint jedes Mal, wenn wir telefonieren“, sagt Amtal. Seit einem Jahr sind die beiden getrennt. Die 39-Jährige hofft, dass ihre Tochter ihr nach Deutschland folgen kann, doch entzogen die pakistanischen Behörden dem Mädchen den Reisepass, da sie die inoffizielle „Bearbeitungsgebühr“ nicht bezahlen konnte.

Ahmad H. (28) aus Syrien würde gern als Mediziner arbeiten

Ahmad stammt aus Albokamal in Syrien. „Mittlerweile gehört meine Heimatstadt zum IS-Land.“ Ein konkretes Ziel hatte er nicht vor Augen, als er aus der Heimat floh. „Mein einziger Gedanke war: Ich muss raus aus Syrien“, so der 28-Jährige, der findet: „Augsburg ist eine schöne und sichere Stadt.“ Seit gut sieben Monaten muss Ahmad sich hier allerdings in Geduld üben. Zum einen, was die Hoffnung anbetrifft, seine Frau wiederzusehen, zum anderen hinsichtlich der Entscheidung über seine Aufenthaltsgenehmigung.

Ohne die kann Ahmad nicht an seinem Traum arbeiten, auch in Deutschland seinem Beruf als Internist nachzugehen. „Seit sieben Monaten kann ich nichts tun als warten, essen und schlafen“, so der Mediziner. Die Unsicherheit und das Warten seien eine große psychische Herausforderung. Ein Lichtblick sei der von Tür an Tür organisierte Deutschunterricht – und die Gespräche mit anderen. „Viele Leute hier wissen nicht viel über die Lage in Syrien“, glaubt der junge Mann. Die meisten sind überrascht, wenn er erzählt.

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