Schöne Aussichten, die hat Reza Madonpour seit einigen Wochen. Der Inhaber des Eiscafés Sorrento in der Welser-Passage muss nur aus dem Durchgang in die Kurze Maxstraße hinausblicken und sieht sie: Trauben von Menschen, die an der neu eingerichteten Ersatzhaltestelle Rathausplatz, auf ihre Straßenbahn warten. Das sind potenzielle Kunden. Und tatsächlich. „So mancher Fahrgast hat sich schon seine Wartezeit mit einem Eis oder einem Kaffee verkürzt“, sagt er. Reza Madonpour freut sich über den Kö-Umbau. Er zählt wahrscheinlich zu den Gewinnern der Großbaustelle.
Da wird er nicht der Einzige sein, so City-Manager Heinz Stinglwagner. Bislang ist es nur ein Gefühl, das weder durch Besucher- noch Umsatzzahlen belegt werden kann, aber Stinglwagner hört es bereits von verschiedenen Einzelhändlern und Gastronomen, die rund um den neuen Verkehrsknotenpunkt am Moritzplatz angesiedelt sind: „Es ist viel los in den Geschäften und in den Cafés. Viele Passanten schauen beim Umsteigen oder beim Warten noch in einen Laden hinein und geben dann natürlich auch den einen oder anderen Euro aus“, sagt er.
Während sich so mancher Händler die Auswirkungen des Kö-Umbaus im Vorfeld noch in den schlimmsten Farben ausgemalt hat, scheinen sich die Vorurteile vielfach nicht zu bestätigen. Stinglwagner: „Die Geschäftsleute fühlen sich von der Stadt und den Stadtwerken gut informiert und eingebunden. Die Reaktionen sind bislang überraschend positiv.“
Hoffnung, dass Kunden aus dem Umland nicht ausbleiben
„Abwarten“, sagt da hingegen noch Wolfgang Puff, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes in Augsburg. Er verfolgt nicht nur seit einigen Wochen die Veränderungen in der Innenstadt genau, er setzt sich auch regelmäßig selber ans Steuer und unternimmt Testfahrten. Das Ergebnis: „Ich habe schon alles erlebt. Autofahrer, die wohl ortskundig sind und mit der neuen Streckenführung gut zurechtkommen, dann wiederum offensichtlich durch die Umleitungen verwirrte Autofahrer, die mit Tempo 20 über die Konrad-Adenauer-Allee fahren.“
Er hofft, dass sich die Kunden aus dem Umland von den Baustellen in der Stadt nicht abschrecken lassen. „Natürlich kommt es jetzt an den Knotenpunkten wie am Moritzplatz oder am Eingang der Annastraße zu einer erhöhten Frequenz der Passanten und möglichen Kundschaft. Die wird aber jetzt im Gegenzug woanders wegbleiben“, so Puff.
Christian Forster, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof, kann nur von einer „Momentaufnahme“ sprechen, wie er es nennt, denn für eine Beurteilung der neuen Situation sei es noch viel zu früh. Aber ihn umgibt auch ein gewisses Gefühl. „Es ist sicherlich nicht weniger Laufkundschaft in der Innenstadt unterwegs“, sagt er und hat aber auch noch ein anderes Gefühl. Nämlich, dass Autofahrer Stau und Stress meiden und gar nicht erst in die Innenstadt fahren. „Ich habe das Gefühl, die Parkhäuser sind seit dem Umbau leerer“, so Forster.
Welches Gefühl sich bestätigen wird, und welches trügt, das wird sich in den kommenden Wochen zeigen.