Es gibt weiter Gegenwind für die Pläne der städtischen Altenhilfe, ein Heim mit 180 Plätzen in Lechhausen zu betreiben. Bauherr ist die Deggendorfer Firma Erlbau. Sozialreferent Max Weinkamm hofft, so endlich ein modernes und rentables Pflegeheim für den stark defizitären Eigenbetrieb eröffnen zu können.
Politiker, Wohlfahrtsverbände und Heimträger bemängeln dagegen, dass ein solches Heim am Stadtrand und in der Größe unzeitgemäß sei. Die Stadt handle nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Auch die Gewerkschaft Verdi übt nun Kritik – kurz bevor das Thema morgen hinter verschlossenen Türen im Stadtrat behandelt wird. Laut Gewerkschaftssekretär Kai Winkler hat Verdi externe Experten zu Rat gezogen und kommt zum Schluss, dass das Heim sich wohl nicht rentieren wird.
So gehe die Wirtschaftlichkeitsberechnung, die die Münchner Beraterfirma Schwan&Partner im Auftrag der Altenhilfe erstellt hat, von Investitionskosten von 6000 Euro pro Pflegeplatz aus. „Vergleichbare Einrichtungen liegen jedoch bei 10000 Euro“, so Verdi. Investitionskosten müssen auf Bewohner umgelegt werden. Bei – laut Verdi – realistischen Kostenannahmen würde das Heim eines der teuersten Augsburgs werden.
Es sei ohnehin unwahrscheinlich, dass die Rieseneinrichtung die für Augsburg sehr hohe Belegungsquote von 97 Prozent erreicht, ab der sie laut Schwan&Partner wirtschaftlich ist. Angesichts solcher Preise in Stadtrandlange und bei relativ schlechter Ausstattung sieht Verdi dafür noch weniger Chancen.
Auf Demenzkranke ausgerichtet
Kritik übt die Gewerkschaft auch am Konzept, das auf Demenzkranke ausgerichtet ist. Dieses sei der Einrichtung „übergestülpt“ und spiegele sich etwa in der räumlichen Aufteilung nicht wider. Ohnehin werde ein derart großes Haus jeden aufnehmen müssen, um voll zu werden – das Aufnahmekriterium Demenz sei daher „Unsinn“. Da die Altenhilfe auch das Risiko der Unterbelegung, Instandhaltungskosten nach dem Ablauf einer Frist und behördlicher Auflagen trage, sei die Gefahr eines Minus groß. Letztlich seien Arbeitsplätze in Gefahr.