Hinter der kargen Bühne, auf eine baufällige, grauweiße Wand geworfen, flimmerten Sequenzen von den Abbrucharbeiten der Textilfabrik und der alten mechanischen Webstühle in Dauerschleife, deren markante Klopfgeräusche den Musikern anfangs den Beat vorgaben.
Drummer Bittner trat mit den Koryphäen Daniel Eberhard (Piano, Akkordeon), Stephan Holstein (Saxofon, Klarinetten), Uli Fiedler (Kontrabass) und Ute Legner auf die Bühne; gemächlich und unspektakulär, als würden sie nur eine Runde jammen wollen, schlenderten sie an ihre Instrumente und begannen, diese herzurichten und zu stimmen. Doch plötzlich merkte man, wie sich aus dem schroffen Arbeitsrhythmus, den musikalischen Effekten und der perkussiven Stimme ein immer harmonischeres Ganzes entwickelte, Musik und Bilder stimmten rasch überein und ergaben ein geräumiges Gesamtkunstwerk.
So wurden Papagenos Melodien aus der Zauberflöte mit Gedichten des 18. Jahrhunderts ("Üb immer Treu und Redlichkeit") kombiniert, ein bluesig-jazziges Ostinato mit dem Text "Spinn, Mägdlein, spinn" auf die Melodie von "Schlaf, Kindlein, schlaf" unterlegt oder zu einem Klezmer-Tango in einem Endlosmonolog über die Vielfalt von Materialien sinniert.
Sowohl der Text als auch die Musik bekamen durch diese ungewohnte Verquirlung eine neue Sicht- und Hörweise verpasst, die bunten collageartigen Bildfetzen Zwang-Erikssons verliehen dem Konzert - wie auch die dokumentarisch eingebauten Zwischentexte Felbers zum Augsburger Textilhandwerk einst, heute, zukünftig - eine Prise melancholischen Surrealismus.
Die ganz in weiß gekleideten Musiker bildeten im Lauf des Konzerts mehr und mehr eine Einheit mit dem Hintergrund und seinen Videoausschnitten, verknüpften scheinbar mühelos die Weber-Thematik mit in die Beine gehenden Grooves; auch die Verbindung der Optik mit der Akustik war durch synchrone Abstimmung und Abmischung perfekt gelungen. Hörgenuss vom Allerfeinsten!