Ein stimmiges Kunstprodukt Neuer Musik präsentierte das Textil- und Industriemuseum in Augsburg am Mittwoch einem aufgeschlossenen und begeisterten Publikum. Das Konzert bildete das fulminante Finale des Projekts "Sounding D", das in Augsburg in Form eines Sonderzugs Station gemacht hatte.
Nach einer kurzen Begrüßung formierte sich kreisrund inmitten der Zuhörer das "Mehr Musik"-Ensemble, ein Sextett von Musikstudenten des Leopold-Mozart-Zentrums unter Leitung von Iris Lichtinger. Es folgte ein Knarzen und Schleifen, ein Gebläse und Gezische. Vokale und instrumentale Mechanikgeräusche klapperten und hallten durch das Museum.
Das kurze, an unterschiedlichen Orten im Museum vorgetragene Werk "La Ronde - Versuch eines Kollektivs" von Vinko Globokar war ein weitgehend improvisiertes, dynamisches Event, welches das Publikum als klatschendes Metronom forderte und von zwei Klangcollagen unterbrochen wurde: die gelungene Uraufführung des "minimale popolare", einer elektroperkussiven Reminiszenz an Italien dreier Musikstudierender aus Nürnberg, Rotterdam und Graz, die Rasseln, Trommeln und ein Weinflaschen-Xylophon mit Geräusch-Effekten aus dem Computer zu einem surrealistischen Sample kombinierten.
Baugeräte lärmten mit dem tiefen Blech um die Wette
Als Zweites schob sich die "Industrielle Improvisation TUBA(X) im TIM" dazwischen. In dieser, um Schlagwerk, E-Gitarre und zwei Basstuben erweiterten Formation um Maschinist Christian Z. Müller lärmten Schrott und Baugeräte mit dem tiefen Blech und einer kreischenden Gitarre um die Wette und erreichten mitunter Lautstärken wie in einem Maschinenraum.
Längstes, deutlich überzeugendes und zu Recht gefeiertes Werk des Abends war "Heavy Machines", eine treffend betitelte Eigenkomposition und -improvisation der beteiligten Musiker. Die Basis dieser Uraufführung war eine 40-minütige Collage des Dresdner Medienkünstlers Benjamin Schindler, der altes Filmmaterial aus dem Archiv des TIM aneinanderreihte. Das farbig vielseitige Shortfilmlivemusicorchestra improvisierte mit den anderen Musikern dazu wie ein Stummfilmpianist an den Bildern entlang.
Vom Metronom vorgegebene Passagen sowie melodiöse Phrasen wechselten sich im Minutentakt mit verträumt-bunten Klangteppichen, wuchtigen Unisonomotiven oder umherirrenden Dissonanzen ab. Dadaistische Sprachfetzen und Singsang blendeten ein und aus, dazwischen schlängelte sich der kantable Sopran Lichtingers hindurch.
Dann wurde gleichsam in die Flöten gespuckt - ein Ultrastaccato mit schrillen Reibungen resultierend - und effektvoll im tiefen Blech und am Schlagwerk mit Extremklängen laboriert. Im Duo lieferten Cello und E-Gitarre ein unbeirrt balladeskes Ostinato, die Bläser und das Schlagwerk steigerten sich bisweilen zum tonalen Chaos. Nicht verwunderlich, da die Bilder auf der Leinwand hier und da mit doppelter Geschwindigkeit liefen und die Atmosphäre düsterer wurde.
Das Orchester überraschte sein Publikum
Insgesamt war das Werk geprägt von stetem Wechsel des Klangeindrucks und der äußerst vielgestaltigen Perkussivität. Assoziationen an Filmmusik waren stellenweise ebenfalls herstellbar. In fragiler und gleichzeitig zum Bersten gespannter Atmosphäre überraschte das Orchester sein Publikum mit viel Unerwartetem und bisher Ungehörtem und erhielt dafür verdientermaßen lang andauernde Standing Ovations.
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