Leere Läden? Johannes Althammer kann sich nicht erinnern, in der Augsburger Altstadt zuletzt einen gesehen zu haben. "Wenn ein Geschäft schließt, macht kurz darauf ein neues auf." Inserate sind kaum notwendig: Immer kennt einer einen, der gerade Flächen sucht, und bringt ihn dann mit einem zusammen, der gerade welche anbietet. Von Nicole Prestle


In der "Unterstadt", wie die Ladenbesitzer zwischen Maxstraße und Oberem Graben ihr Viertel nennen, hat sich der Handel in den vergangenen zehn, 15 Jahren gut entwickelt. Ursachen hat das laut Althammer vom Altstadt-Verein viele. Eine davon: Zahlreiche Wohnhäuser wurden saniert. "Das Erdgeschoss wurde dann fast immer an Händler vermietet." Eine andere: Seit die City-Galerie eröffnet hat, laufen viel mehr Menschen durch die Altstadt, weil sie den Weg als Abkürzung zwischen Vogeltor und Maxstraße nutzen. Und eine dritte: Durch Aktionen wie die "Nacht der Tausend Lichter" oder den Straßenkünstlerwettbewerb "La Strada" gelingt es den Händlern, Publikum an sich zu binden.
Die Altstadt bietet den Kunden, was sie in einer klassischen Fußgängerzone - auch der Augsburger - oft vermissen. "Jede deutsche Großstadt hat doch inzwischen dasselbe Angebot. Ich aber möchte Läden haben, in denen ich noch Neues entdecken kann", sagt Verena Pflader, die am Samstag mit einer Freundin aus dem Umland zum Einkaufen gekommen ist. Den Mix der Läden im Lechviertel findet sie "gelungen und skurril": Wo, fragt sie, gibt es schon Geschäfte, die nur Teekannen anbieten oder selbst geschneiderte Kleider und Accessoires?
Wegen der "besonderen Atmosphäre" zog Nicole Pfeiffer letztes Jahr mit ihrem Geschäft "Ideen-Reich" von der Steingasse in die Altstadt. Der Wechsel, sagt sie rückblickend, habe sich gelohnt: "Wir haben jetzt viel mehr Laufkundschaft." Sie würde sich allerdings wünschen, dass die Stadt die kleinen Händler besser unterstützt. "Der Eingang oben zum Judenberg müsste schöner gestaltet werden. Und wenn man nur Hinweisschilder anbringen würde, die zeigen, welche Läden es unten gibt."
Auch Johannes Althammer ist das seit Jahren ein Anliegen: Der Judenberg sei - obwohl es ja andere Wege gäbe - der Hauptzugang von der Ober- in die Unterstadt. "Derzeit stehen oben nur Gerüste, die Abluft der Gastronomiebetriebe bläst den Fußgängern voll ins Gesicht."
Und da sind weitere Punkte, an denen die Stadt ansetzen müsste: "Der Verkehr soll zwar durch die Altstadt fahren dürfen, aber er müsste den Fußgängern nachgeordnet werden." Zudem wäre es Althammer und den Händlern lieb, wenn bei der Außengastronomie nicht nach Millimetern gemessen würde. "Wenn da mal ein Tisch mehr stünde und zum Beispiel auch der Holbeinplatz bewirtet werden dürfte, würde das die Aufenthaltsqualität noch steigern."
Einer der Pioniere ist der Weltladen
Der Weltladen ist einer der Pioniere in der Altstadt. Das Geschäft in der Weißen Gasse gibt es seit den 90er-Jahren - und es läuft immer besser: Das Sortiment fügt sich gut ins alternative Altstadt-Flair ein. Von den Kundenströmen, die zwischen Kernstadt und City-Galerie hin- und herfließen, profitiert der Shop. Geschäftsführerin Christine Weiner erzählt, dass vor allem Jugendliche gerne hereinschauen, obwohl das Sortiment "handgemacht" ist und nicht unbedingt den Vorgaben der Konsumtempel entspricht.
Wer in die Altstadt kommt, tut dies nicht, weil er etwas Bestimmtes sucht. "Was hier geschieht, ist reiner Lustkauf", sagt Althammer. Flanieren, sehen, entdecken, kaufen. Das ist das Prinzip. Weil die meisten Läden inhabergeführt und die Mieten nicht allzu hoch sind, können sich die Läden auch halten, wenn mal nur kleinere Umsätze gemacht werden.
Herbert Nowak ist schon lange Altstadt-Händler; seit 19 Jahren. An schönen Tagen sitzt er auf einem Stuhl vor seinem Antiquitätengeschäft und wartet auf Kunden. Obwohl immer mehr Menschen durch die Altstadt laufen, ist sein Umsatz zurückgegangen. "Das liegt wohl am Sortiment. Junge Leute interessieren sich nicht für Antiquitäten. Die anderen geben nicht mehr so viel dafür aus." Ein Jahr, sagt er, will er im Höchstfall noch machen, dann ist Schluss. Wenn es läuft, wie meist in der Unterstadt, wird sich wohl bald ein Nachfolger für das Lädchen finden.»Kommentar S. 32
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