"Ich suche nach den verbindenden Faktoren", sagt der 43-Jährige. Es sind die Bewegungen, die Marschall hier und dort faszinieren: das körperliche Spiel mit dem Gegner oder mit dem Werkzeug. Auch die Kunst entsteht mit einer Choreografie, die dem Kampfsport entlehnt ist. So hängt alles miteinander zusammen, Wing Chun Kung Fu und die bis zu vier Meter hohen Stelen aus Holz und die kleineren Skulpturen. Sie alle zeichnet die organische Formensprache aus. Marschall nennt sie "Stücke, die in sich beweglich sind".
Daneben erschafft der Autodidakt auch eine Reihe anderer "Nebenprodukte". Von Schmuck über Musikinstrumente - hauptsächlich Didgeridoos - über Wandobjekte bis hin zu Kinderwiegen: Marschall macht, wozu er Lust hat. Und das sind viele verschiedene Kunstwerke. Nur auf die Langeweile, auf die hat er keine Lust. Wenn es hakt und Marschall nicht weiterweiß, arbeitet er an einer seiner "drei bis fünf anderen offenen Baustellen".
Für die großen Kunstwerke wie die bis zu vier Meter hohen Stelen oder die vielseitig einsetzbaren Sitzgelegenheiten greift er zur Kettensäge. Bei seinen filigranen Arbeiten an Ringen oder Kopfbedeckungen zückt er die Mikrofräse. Was seinen Werkzeugkasten anbelangt, ist Marschall unersättlich. "Neues Werkzeug entdecken, an der Hightech-Front zu arbeiten: Das ist ein wesentlicher Teil meiner Kunst." Egal, mit welchem Hilfsmittel der Diedorfer Neues schafft, er tut es stets auf die gleiche Art und Weise.
Er führt sein Werkzeug genau wie ein Maler seinen Pinsel. Wiegt sich, windet sich. "Es ist fast schon eine Art Bewegungskult", sagt Marschall. Dabei ist es für ihn nicht entscheidend, ob er alleine in seinem Holzschuppen oder im Rahmen seiner sonntäglichen Gartenausstellung vor Publikum arbeitet. Frei nach der Musikgruppe "Die Fantastischen Vier" scheint über all seinen Werken das Motto "In der Bewegung liegt die Kraft" zu thronen.
Die Musik ist für Marschall eine weitere wichtige Inspirationsquelle. Er spielt und baut Musikinstrumente, in erster Linie Didgeridoos. "Skulpturdoos" nennt Marschall seine klanggewaltigen Röhren, die so manchen Sonntagsspaziergänger in den Garten des Künstlers lockt. Zwischen Apfelbäumen, Hängematte, Trampolin und - na klar - Skulpturen sollen sich Marschalls Gäste vor allem eines: wohlfühlen.
Marschall hat lange an seinem Konzept gearbeitet. Seit acht Jahren betreibt er sein Gartenatelier. In diesem Sommer hat er ein neues Revier erobert. Auf dem Grundstück nebenan stellt er Holzkunst aus, die noch nicht fertig ist. Wer Glück hat, kann Marschall dort in Aktion beobachten und entdeckt die verbindenden Elemente von Kunst und Kampfsport.
Die Ausstellung hat jeden Sonntag von 15 bis 20 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen unter
www.marsart.de.