Sie kommt von Hüseyin Yalcin. Er hatte bei der letzten Wahl auf der gewerkschaftsnahen Liste türkischsprachiger Migranten kandidiert und ist seit 14 Jahren im Integrationsbeirat aktiv. Nun fordert er: „Das Ansehen des Integrationsbeirates ist durch das selbstherrliche Auftreten des Vorsitzenden Ahmet Akcay schwer beschädigt, er muss zurücktreten.“ Zwar war Yalcin selbst nicht beim Festakt zum 50-jährigen Jubliäum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens im Goldenen Saal. Aber seine Mutter, die von Oberbürgermeister Kurt Gribl als eine der ersten türkischen Migrantinnen persönlich geehrt wurde, habe die Reden der türkischen AKP-Abgeordneten als „unerträglich“ empfunden. „Zahlreiche Mitglieder der alevitischen wie auch der syrisch-orthodoxen Gemeinde sind ebenfalls sehr ungehalten über die Propaganda der Redner“, weiß Yalcin.
„Wer behauptet, das Osmanische Reich und die Türkei seien ein Hort des Friedens für die religiösen und ethnischen Minderheiten, tritt die Erfahrungen von Augsburger Migranten mit Füßen, die in ihren Familien Folter und Verfolgung erlebt haben.“
Yalcin übt außerdem Kritik am Konzert der türkisch-belgischen Popsängerin Hadise im Oktober. Hier trat der Integrationsbeirat im Rahmen des Merhaba-Programms als Veranstalter auf. Dies und die Unterstützung des kommerziellen Konzerts in der Sporthalle am Wittelsbacher Park mit 3000 Euro habe Akcay als Vorsitzender – ohne Einbeziehung der Vollversammlung des Integrationsbeirats – eigenmächtig entschieden.
Robert Vogl von der Geschäftsstelle des Integrationsbeirates bestätigt die Summe nicht, stellt auf AZ-Anfrage aber klar, dass Akcay das Einverständnis seiner beiden Stellvertreter eingeholt habe und das Vorgehen im Einklang mit der Geschäftsordnung stehe. Die Vollversammlung, könne, müsse aber hier nicht informiert werden.
Ahmet Akcay sieht sich nach wie vor zu Unrecht angefeindet und wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die kritisierten Reden der AKP-Politiker ließ er inzwischen auf eigene Kosten übersetzen, von einem Anwalt prüfen und betont: „Es wird an keiner Stelle nationalistische Propaganda betrieben.“