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09. Juni 2010 05:48 Uhr

Joachim Gauck oder Christian Wulff?

Joachim Gauck (parteilos) und Christian Wulff (CDU) könnten kaum gegensätzlicher sein. Beide kandidieren für das Amt des neuen Bundespräsidenten. Gauck wird von SPD und Grünen unterstützt, Wulff von der schwarz-gelben Koalition. Wen halten Augsburger für den besseren Kandidaten? Wir haben uns umgehört. Von Reiner Schmidt

von Reiner Schmidt und Pia Geiger

Der evangelische Dekan Volker Haug hätte sich einen gemeinsamen Kandidaten gewünscht. Dies sei auch der Wunsch der Bürger, meint er. Beurteilen will er die Bewerber nicht, beide hätten Qualitäten. Einen gemeinsamen Wahlvorschlag hätte auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Heinz Paula am liebsten gesehen. Nun will er Gauck wählen, auch wenn er Wulff aufgrund der Mehrheitsverhältnisse die eindeutig besseren Chancen einräumt. Mit Spannung erwartet er, wieviele Abgeordnete von CDU/CSU und FDP trotzdem für Gauck stimmen.

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CSU-Bundestagsabgeordneter Christian Ruck positioniert sich für Wulff. Er kenne den "kühlen Nordländer" seit Langem. Wulff sei ein werteorientierter und erfolgreicher Ministerpräsident mit dem richtigen Fingerspitzengefühl für das Amt des Bundespräsidenten.

Gottfried Fuhrmann, der in der DDR aufwuchs, spricht sich ganz klar für Gauck aus. Der Leiter des Pauline-Fischer-Seniorenheims schätzt Gauck sehr, weil er ein ähnliches Schicksal erlebt habe. Er stammt aus einem Pfarrerhaushalt in der früheren DDR, hat Benachteiligung erfahren und wurde von der Stasi bespitzelt. "Sicherlich hat Wulff auch etwas Präsidiales, aber das Kalkül der CDU ist zu deutlich", so Fuhrmann.

Für FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß hat Wulff die besseren Chancen: Er sei zuverlässig und anerkannt.

Die Kandidatenfrage beschäftigt viele Augsburger. Der Tourismusmanager Thomas Birkel bevorzugt Gauck. Dieser sei ein "Bürgerrepräsentant und kein Regierungsrepräsentant". Wulff sei nur eine Verlegenheitswahl der schwarz-gelben Regierung, um ihre Beschlussfähigkeit unter Beweis zu stellen, argumentiert der 47-Jährige. Der Student Philip Scheppach favorisiert Wulff, weil er traditionsbewusst sei und die für das Amt nötige Erfahrung mitbringe. Aber "Ursula von der Leyen wäre mir am liebsten gewesen", sagt der 22-Jährige. "Zwei Frauen an der Spitze des Staates fände ich interessant.".

Die Augenoptikerin Marianne Büchele plädiert für Gauck, da er sich selbstlos für wichtige Themen eingesetzt habe und ideelle Werte verkörpere. Gauck sei kein eigennütziger Bewerber im Parteienzirkus. Sie hofft, dass viele Parlamentarier den Mut haben, nach ihrem Gewissen zu wählen. Dann werde Gauck gewinnen, meint sie.

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