Die Stadtwerke treiben momentan den Bau tieferer Trinkwasserbrunnen im Siebentischwald weiter voran: Aktuell entsteht nicht weit vom Hochablass ein zweiter Brunnen, der das Wasser aus so tiefen Schichten holt, dass es auch nach Starkregen bedenkenlos verwendbar ist. „Der Klimawandel mit vermehrten Starkregenfällen macht uns durchaus Sorgen“, sagt Robert Hörmann, der für die Wasserförderung bei den Stadtwerken zuständig ist.
Denn die herkömmlichen Brunnen fördern das Trinkwasser aus etwa zehn Metern Tiefe. Fällt allerdings viel Regen auf einmal, versickert das Wasser zu schnell. Die Folge: Der Kies und Sand bis zu zehn Metern Tiefe können ihre Reinigungswirkung nicht voll entfalten. „Der neue Brunnen holt das Wasser aus 23 Metern Tiefe“, so Hörmann. Bis das Wasser sich durch die noch feineren Sandschichten in der Tiefe gearbeitet hat, vergehen Wochen.
Einen ersten sogenannten Horizontalfilterbrunnen haben die Stadtwerke schon vor drei Jahren in der Nähe des historischen Wasserwerks am Eiskanal in Betrieb genommen. Der jetzt im Bau befindliche Brunnen soll ab kommendem Jahr 65 Liter pro Sekunde fördern. Eine Badewanne wäre damit in drei Sekunden gefüllt. Vom zentralen Schacht aus ragen sechs jeweils 50 Meter lange Metallrohre, die schmale Schlitze in den Wänden haben, wie Tentakel waagrecht in den Wasser führenden Sand. Von dort wird das Wasser angesaugt.
Beide Brunnen zusammen schaffen ein Viertel des Augsburger Tagesbedarfs an Wasser. Momentan ist man auf der Suche nach weiteren Standorten. „Der Bau ist aber ein finanzielles Thema“, so Hörmann. Zwei Millionen Euro kostet der jetzige Brunnenbau. Geplant ist, mehrere ältere Brunnen, die bis in 80 Meter Tiefe reichen, umzurüsten.
Momentan nehmen die Stadtwerke nach Starkregen einige Brunnen, von denen Probleme zu erwarten sind, vorübergehend vom Netz. Für Notfälle gibt es zudem eine UV-Anlage, die Keime im Wasser abtöten kann. Beim Lechhochwasser 2005, als die Autobahnbrücke beinahe in den Fluss gefallen wäre, wurde die Bestrahlungsanlage genutzt. „Regulär verwenden wir diese aber nicht“, so Hörmann.
An einem Tag wie gestern gehen gut 50Millionen Liter Wasser durch die Stadtwerkeleitungen. Um 7 Uhr zur Morgentoilette erreicht der Verbrauch seine Spitze. Im Winter sinkt er dann kontinuierlich, im Sommer gibt es abends eine zweite „Gießspitze“, wenn die Gartenschläuche laufen. Um die Spitzen abzufedern, wird nachts zur verbrauchsarmen Zeit Wasser in die Hochbehälter am Bismarckturm und in Leitershofen gepumpt. Tagsüber laufen die Speicher dann wieder leer.