Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre kehrt bei dem Augsburger Anlagen- und Roboterbauer Kuka wieder Normalität ein. Von Josef Reitmayer

Auf der Fachmesse Automatica in München wurde deutlich, dass die Firma auch in Zeiten des Machtkampfs um die Vorherrschaft in dem Konzern nach wie vor an Innovationen gearbeitet hat. Manfred Gundel, Geschäftsführer der Kuka Roboter GmbH, kann daher in der Phase einer anziehenden Konjunkuktur eine Reihe von Neuerungen präsentieren, wie sie von den Aktionären eingefordert werden.
Auf den ersten Blick wirken die jüngsten Mitglieder der Familie Kuka nicht allzu spektakulär: Die vier neuen Roboter sind wie immer orange, ein wenig schlanker vielleicht, zudem wird ein neuer Schaltschrank und ein neues Bedienungs-Handteil präsentiert. Doch Gundel sagt: "Diese Neuentwicklungen verschaffen uns einen ähnlichen Vorsprung vor der Konkurrenz wie 1996 mit der ersten Robotersteuerung auf Windows-Basis.
Damals waren wir zehn Jahre voraus." Jetzt dürfte der Vorsprung allerdings nicht ganz so viele Jahre andauern, weil die Entwicklungen immer schneller und die Produktzyklen damit kürzer werden. 1996 wurde es mithilfe der Software Windows wesentlich leichter, mehrere Roboter miteinander zu verknüpfen.
Mit der neuen Steuerung soll es, wie das Kuka-Management verspricht, vor allem leichter werden, dass Mensch und Roboter zusammenarbeiten. Denn der Mensch könne vieles einfach noch besser als die Maschine. "Der Roboter soll erkennen, wo sich der Mensch befindet und darauf reagieren", sagt Gundel. Nur so erlauben deutsche Berufsgenossenschaften ein engeres Zusammenrücken von Mensch und Maschine. Kuka hat schon einmal Schutzzäune rund um die Roboter niedergerissen: 2002 brachte das Unternehmen das Freizeitpark-Fahrgeschäft "Robocoaster" auf der Basis eines Roboters auf den Markt.
Die dazu nötige Lizenz zur Fahrgastbeförderung war der Anfang einer neuen Ära. Zunächst wurde der "Robocoaster" jedoch als verrückte Idee angesehen. Kuka hat jetzt mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits einen Leichtbau-Roboter entwickelt, der stoppt, wenn ihm ein Hindernis wie ein Mensch in die Quere kommt. Prallt dieser schlanke, schlaue und feinfühlige Roboter dennoch auf den Menschen, werde eine Energie frei, die geringer sei, als wenn man von einem Tennisball getroffen würde. Darauf verweist Prof. Gerd Hirzinger, der Leiter des DLR-Robotikinstituts. Er gilt als Vater dieser Technologie.
Damit der Leichtbau-Roboter derart sensibel auf den Menschen reagieren kann, wurden die dafür nötigen Sensoren in den Gehäusen der Maschinen eingebaut. Bei der neuen Robotergeneration gibt es hingegen einen anderen Kniff: Die Sicherheitssensorik wird in die Robotersteuerung integriert. Sichtbar wird der platzsparende Minimalismus bei einem Blick in einen der schicken Schaltschränke: Früher ziemlich vollgestopft, herrscht hier jetzt fast gähnende Leere, und dennoch sind die Roboter schneller geworden. Möglich wird dies durch neue Prozessoren. Gundel sagt: "Das ist eine Weltpremiere." Wie es heißt, soll Kuka die Konkurrenten aus Japan damit überrascht haben.
Die neuen Roboter aus Bayern beanspruchen weniger Platz. Weil sie einer Familie angehören, haben sie die gleichen Grundmaße und können innerhalb einer Fertigungsanlage ausgetauscht werden. Dieses erfolgreiche Prinzip haben Firmen wie Volkswagen und Airbus vorgemacht. Weil die neuen Roboter auch noch bis zu 160 Kilogramm leichter sind als ihre Vorfahren, verbrauchen sie bis zu 25 Prozent weniger Energie. Von Josef Reitmayer
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