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Prozess in Augsburg: Männer zertrümmern Gesicht ihres Opfers

Prozess in Augsburg

Männer zertrümmern Gesicht ihres Opfers

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    Zwei Männer prügelten auf ihr Opfer ein und brachen ihm die Knochen.
    Zwei Männer prügelten auf ihr Opfer ein und brachen ihm die Knochen. Foto: Symbolbild: imago

    Sie kommen mit schlechten Absichten. Adem G., 23, und Mehmet Y., 28, haben mehrere Teppichmesser dabei, als sie im Dezember vorigen Jahres die Tiefgarage einer Wohnanlage in Hochzoll betreten. Es ist abends, etwa 22.30 Uhr. Sie warten auf ihr Opfer Kerem U.*, 23. Es geht um eine junge Frau und um verletzte Ehre. Doch was planen die beiden? Wollen sie ihrem Opfer nur einen Denkzettel verpassen? Oder haben sie vor, den Kontrahenten im eiskalten Kuhsee zu versenken?

    Zahlreiche Brüche am ganzen Körper verteilt

    Diese Fragen beschäftigen nun das Schwurgericht. Angeklagt sind die Männer wegen versuchten Mordes. Tatsächlich ist es eine Gewaltorgie, die sich acht Tage vor Weihnachten abspielt. Adem G. und Mehmet Y. zwingen ihr Opfer, mit zum Kuhsee zu kommen und zertrümmern ihm mit Schlägen und Tritten förmlich das Gesicht. Die Mediziner im Klinikum stellen Brüche der Kieferhöhle, des Jochbogens und des Nasenbeins fest. Auch Rippen sind gebrochen. Im Operationssaal setzen die Ärzte Kerem U. mehrere Platten und Schrauben ein, um alles zu rekonstruieren.

    Keine einschlägig Vorbestraften

    Der Gewaltausbruch stellt alle im Gerichtssaal vor ein Rätsel. Denn angeklagt sind keine notorischen Schläger, deren kriminelle Karriere vorgezeichnet scheint. Adem G. wächst bei seinen Eltern in Augsburg auf. Er macht einen Hauptschulabschluss, absolviert eine Lehre und findet später einen guten Job in einer Druckerei. Seine einzige Vorstrafe: ein Ladendiebstahl. Ähnlich ist das Bild bei Mehmet Y., der als 17-Jähriger aus der Türkei kommt. Trotz Sprachproblemen schafft er es, Arbeit zu finden. Er fährt einige Male schwarz in öffentlichen Verkehrsmitteln – das ist alles, was bis dato in den Akten der Justiz über ihn vermerkt ist.

    Mediziner hält Angeklagten für schuldfähig

    Eine Antwort, warum die Täter ausrasteten, liefert Gerichtsgutachter Richard Gruber. Der Mediziner hält den Angeklagten Adem G. für schuldfähig und stellt fest, die Gewalttat sei auf einen „soziokulturellen Kodex“ bezogen. Damit meint er: Der türkischstämmige Angeklagte sei wohl mit einem anderen Verständnis von Ehre aufgewachsen – und habe deshalb überreagiert.

    Das Motiv: Ein Handyfoto zeigt die Verlobte schlafend im Bett

    Denn eigentlich ist es eher eine Lappalie, die zu der Tat führt. Es geht um ein Handyfoto, das Kerem U. von G.s Verlobter gemacht haben soll. Auf dem Foto liegt die junge Frau schlafend in ihrem Bett. U. sagt, er sei in dieser Zeit mit der jungen Türkin liiert gewesen. Die Beziehung habe im Urlaub im Sommer 2012 begonnen, sei aber einige Zeit später zerbrochen. Für Adem G. ist dieses Foto wohl der Anlass, um sich Kerem U. vorzuknöpfen. G. bringt seinen Arbeitskollegen Mehmet Y. dazu, ihm beim Racheakt zu helfen.

    Polizeistreife rettet das Opfer

    Wie weit sie gegangen wären in jener Nacht am Kuhsee, vermag keiner zu sagen. Denn das Opfer hat Glück. Eine Polizeistreife fährt das Ufer ab, deshalb lassen die Männer von Kerem U. ab und flüchten. Ihr angeblicher Plan, das Opfer zu versenken, lässt sich vor Gericht nicht beweisen. Auch der Vorwurf, dass sie ihr Opfer durch Prügel umbringen wollten, ist schwer nachzuweisen. „Es gab nie die Absicht, das Opfer zu töten“, sagt Anwalt Moritz Bode, der mit Thomas Reitschuster Mehmet Y. verteidigt. Daher bleibt von der Anklage wegen Mordversuchs wohl nur gefährliche Körperverletzung und Geiselnahme übrig.

    Eine längere Haft droht den Männern trotzdem. Vom Richter zu seinen Plänen gefragt, antwortet Adem G. deshalb nur: „Ich will es besser machen als zuvor.“ *Name geändert

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