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Brauchtum: Maibaum: Vom Aufstellen und Stehlen

Brauchtum

Maibaum: Vom Aufstellen und Stehlen

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    Der Maibaumdiebstahl ist eine eher junge Tradition.
    Der Maibaumdiebstahl ist eine eher junge Tradition. Foto: Karl Aumiller

    Am Donnerstag werden verschiedene Vereine im Umland Maibäume in ihren Orten aufstellen. Dieser bayerische Brauch entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, sagt Michael Ritter. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bayerischen Verein für Heimatpflege und Referent für bayerische Bräuche.

    Daher kommt der Maibaum:

    König Ludwig I. erließ 1827 eine Verordnung, mit der er Maibäume ausdrücklich erlaubte. Sie erhielten damals auch ihre heutige Form: Eine hohe Tanne oder Fichte, meistens geschält, mit örtlichen Schildern geschmückt. Sie sollten den Ort, in dem sie standen, repräsentieren.

    Regeln fürs Maibaumstehlen

    Es dürfen nur bereits gefällte Bäume gestohlen werden.

    Es dürfen nur Maibäume gestohlen werden, die sich bereits in dem Ort befinden, wo sie aufgestellt werden sollen.

    Das Stehlen des Maibaums im eigenen Ort ist tabu.

    Der Baum muss heimlich und unentdeckt gestohlen werden.

    Der Baum darf dabei nicht beschädigt werden.

    Keinesfalls darf gegenüber den Bewachern Gewalt angewendet werden.

    Legt ein Bewacher seine Hand auf den Stamm, darf der Maibaum von den Dieben nicht mehr angerührt werden. - Werden die Diebe innerhalb der Gemeindegrenze beim Abtransport überrascht, müssen sie ihre Beute kampflos zurückgeben.

    Aufgestellte Bäume dürfen nicht mehr gestohlen werden.

    Der Schmuck von Bäumen darf nicht gestohlen werden, nur der Stamm.

    War der Diebstahl erfolgreich, treten die Parteien in Rückgabeverhandlungen ein. Dabei dürfen keine überzogenen Forderungen gestellt werden.

    Es ist erlaubt, auch einen gestohlenen Maibaum zu stehlen - entweder von Dritten oder von den Bestohlenen. Doch selbst dabei müssen die bekannten Regeln eingehalten werden.

    Traditionsgemäß helfen die Maibaumdiebe nach Rückgabe der Beute den Bestohlenen beim Aufstellen und übernehmen gegebenenfalls auch das Schmücken.

    Scheitern die Verhandlungen um die Rückgabe, stellen die neuen Besitzer den Maibaum als Schandmal und zusätzlichen Segensbringer für ihren eigenen Ort auf. Nach einigen Wochen wird er zersägt und versteigert.

    Es gab allerdings schon ähnliche Bräuche im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Ab dem 14. Jahrhundert findet man in ganz Bayern sogenannte „Maien“. Das waren kleine, zumeist lebende Bäume, die die jungen Männer am 1. Mai als Gunstbeweis bei den jungen Frauen aufgestellt hatten. Diese Tradition gibt es heute noch in der Region um Krumbach. Es gab ab dem 16. Jahrhundert dann auch Tanzbäume, um die die Bauern am 1.Mai tanzten. Damit läuteten sie das Sommerhalbjahr ein.

    Zudem stellten Soldaten Ehrenbäume auf. Mit diesen bedankten sie sich beim Bürgermeister des Dorfes, wo sie einquartiert waren. Sie waren den heutigen Bäumen ähnlich, da sie mit Schildern geschmückt waren, die sich auf den Ort, wo sie standen, bezogen.

    Maibaumdiebstahl ist neuer Brauch

    Der Brauch des Maibaumdiebstahls ist hingegen relativ neu. Nach diesem Brauch müssen die Bürger eines Orts ihren Maibaum mit Essen und Trinken auslösen, falls es den Bürgern aus einem andern Ort gelingt, den Baum zu stehlen. Laut Ritter entstand der Brauch im 20. Jahrhundert, aber richtig verbreitet hat er sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gibt keine großen Unterschiede bei der Maibaumtradition östlich und westlich des Lechs.

    Ritter sagt, dass es westlich des Lechs früher üblicher war, den Baum nicht zu bemalen, oder gar die Rinde dranzulassen. Währenddessen hätte man im Osten häufig die Bäume mit einer weiß-blauen Spirale verziert.

    Für Ritter sind die Maibäume heute vor allem eins: „Ein wunderschöner Ausdruck für den sozialen Zusammenhalt im Ort.“ Denn ein Einzelner schaffe es nicht, einen Maibaum aufzustellen. Es brauche viele Menschen, um einen Baum zu fällen, zu transportieren, zu bewachen, zu schmücken und schließlich hochzustellen. Wenn es geht, sogar nur mithilfe von Seilen, Stangen und Muskelkraft.

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