Mit Druckmaschinen hatte Luigi Bergamin schon lange nichts mehr zu tun. Der ehemalige Manroländer ist seit 2007 in Rente. Doch die Pleite des Druckmaschinenherstellers hat ihn nun auch im Ruhestand eingeholt. Seit Februar wartet der 68-Jährige auf die Zahlung seiner Betriebsrente. Etwa 5500 ehemaligen Manroländern geht es genauso.
Der Insolvenzverwalter bestätigt das Problem. Die Betriebsrenten wurden bislang jeweils zur Mitte des Quartals für drei Monate ausbezahlt; zuletzt vor dem Insolvenzantrag im November. Die nächste Zahlung wäre im Februar fällig gewesen. Doch die Konten blieben leer. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Bergamin, „es hatte immer geheißen, die Gelder wären insolvenzsicher.“
Das sind sie auch, bestätigt der Sprecher des Insolvenzverwalters, Alexander Görbing. Allerdings komme es wegen der Vielzahl der betroffenen Manroländer zu Verzögerungen bei der Auszahlung. Mit der Insolvenz hat der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) die Versorgung aller Arbeitnehmer übernommen, die Anspruch auf eine Betriebsrente haben – eine Art Versicherung, in die Arbeitgeber für den Fall der Pleite einzahlen. Laut Görbing könnte es bei Manroland bis zur zweiten Jahreshälfte dauern, bis der PSV die Abwicklung der Zahlung geregelt hat.
Für die Betroffenen sei das eine „massive Einschränkung“, sagt der Betriebsratsvorsitzende von Manroland, Jürgen Bänsch. Etwa 200 Euro Betriebsrente bekämen die Ex-Mitarbeiter im Schnitt. „Je nachdem wie hoch die eigentliche Rente ist, ist das für die Leute ein ganz wichtiger Bestandteil ihrer Einnahmen.“ Auch für Luigi Bergamin. „Wer nichts auf der hohen Kante hat, tut sich jetzt schwer.“
Dessen ist sich auch der Insolvenzverwalter bewusst. Er hat sich deshalb um eine Übergangslösung bemüht. „Wir haben versucht, einen Weg zu finden, den Menschen möglichst schnell Geld zukommen zu lassen“, sagt Sprecher Görbing. Im Mai sollen die Betriebsrentner wieder ihre quartalsmäßige Zahlung sowie die im Februar nicht überwiesenen Gelder bekommen. Möglich macht das die MAN HR Services GmbH. Die MAN-Tochter hatte bereits vor der Insolvenz die Zahlungen an die Betriebsrentner von Manroland abgewickelt. Jetzt streckt sie der PSV die Gelder vor.
Arbeitslosigkeit statt Altersteilzeit
Auch für einen Großteil der Manroländer in Altersteilzeit, die sich in der Freistellungsphase befinden und in weniger als zwei Jahren offiziell in Rente gehen, ist laut Betriebsrat Bänsch eine Lösung in Sicht. Sie hatten sich nach der Insolvenz arbeitslos gemeldet und beziehen seitdem Arbeitslosengeld. Eigentlich sollte dieser Betrag mithilfe des Wertguthabens, das sie sich in der aktiven Phase ihrer Altersteilzeit angespart hatten, aufgestockt werden. Doch auch hier verzögert sich die Auszahlung, sodass diese Menschen nicht wie bisher mit 87 bis 90 Prozent ihrer bisherigen Bezüge, sondern mit dem geringeren Arbeitslosengeld ausgekommen müssen. Im Juni soll laut Bänsch auch für sie die Auszahlung erfolgen.
Die meisten Manroländer in Altersteilzeit allerdings müssen noch länger als zwei Jahre auf ihre offizielle Rente warten. Sie sollen in der Projekt- und Transfergesellschaft PTG wieder in Arbeit vermittelt werden. „Ihre Lebensplanung ist damit über den Haufen geworfen“, sagt Bänsch. Ihr angespartes Wertguthaben wird auch ihnen ausbezahlt. Nur 31 Altersteilzeitler waren vom neuen Eigentümer des Druckmaschinenherstellers, der Possehl-Gruppe, übernommen worden.