In dem seit mehr als einem Jahr laufenden Rechtsstreit zwischen einem Ingenieurbüro und dem Klinikum wollen beide Seiten versuchen, sich außergerichtlich zu einigen. Wie berichtet, hatte der seit zwei Jahren amtierende Klinikumsvorstand Alexander Schmidtke dem Ingenieurbüro, das die Generalsanierung des Hauses abwickeln sollte, im Frühjahr 2010 gekündigt, weil die Kosten zu hoch gewesen sein sollen.
Gestern trafen sich die Parteien vor dem Landgericht, weil das Ingenieurbüro nach der Vertragsauflösung Geld fordert. Insgesamt dürfte es um Millionenbeträge gehen, die noch nicht klar beziffert sind. Bislang laufen zwei Verfahren parallel, in denen es insgesamt um rund 850000 Euro geht. Das seit 2003 fürs Klinikum tätige Büro fordert Ausgleich für entgangene und entgehende Honorare. Das Klinikum macht geltend, selbst Geld zurückzubekommen. Ausgeschrieben wurde der Auftrag damals nicht. Das Büro war offenbar auch zum Zug gekommen, weil es Erfahrung in der Akquise von Fördermitteln hat.
Ein Mitarbeiter des bei Großvorhaben erfahrenen Büros hatte zeitweise die Bauabteilung des Klinikums geleitet und sollte die Generalsanierung steuern. Das Klinikum ist der Meinung, dass die Honorare viel zu hoch seien, das Ingenieurbüro bestreitet dies. In der gestrigen Verhandlung regte die 3. Zivilkammer an, dass beide Seiten sich zusammensetzen. In einer vorläufigen Einschätzung deutete das Gericht an, dass es die Vertragsgestaltung zwischen Klinikum und dem Büro für problematisch hält. Das Prozessrisiko gehe aus momentaner Sicht eher zulasten des Ingenieurbüros.
Auf Antrag beider Seiten wurde die Verhandlung vertagt. Bis Februar will das Ingenieurbüro seine Gesamtforderung gegen das Klinikum errechnen. Dann wollen die Anwälte beider Seiten ausloten, ob ein Vergleich möglich ist. Ohne Einigung drohen jahrelange Prozesse.
Das Klinikum wird 2011 voraussichtlich erstmals in seiner 21-jährigen Geschichte keinen Verlust machen. Als eine der Ursachen für die Ergebnisverbesserung führt der als Sanierer angetretene Klinikchef Schmidtke an, dass man bei der 350 Millionen Euro teuren Sanierung Geld spare, weil die Abwicklung nun von der Bauabteilung des Klinikums selbst übernommen wird.