Das Technische Hilfswerk (THW) hat gestern am späten Abend an der Singold gesprengt, um die Hochwassergefahr einzudämmen.



Um eine drohende Hochwassergefahr einzudämmen, hat die Fachgruppe Sprengen des Technischen Hilfswerks Augsburg gestern Abend gegen 23 Uhr die Eisdecke an der Singold in Göggingen gesprengt. Etwa 20 Sprengkapseln wurden im Flusslauf südlich der Wellenburger Straße im unbebauten Gebiet mit einem lauten Knall gezündet. „Wir mussten verhindern, dass die Singold sich aufstaut und überläuft“, so der Sprecher der Feuerwehr Augsburg, Friedhelm Bechtel.
Kräfte der Feuerwehr waren dort den ganzen Tag über im Einsatz, um den kleinen Fluss offen zu halten. Mit einem Bagger wurden Eisschollen aus dem Wasser gefischt. Im Bereich des Ablassbachs, der südlich der Wellenburger Straße auf freiem Feld von der Singold abzweigt, und am Seitelbach, der in Inningen abzweigt, patrouillierten die Einsatzkräfte. Mit Äxten versuchten sie, das Eis aufzubrechen. In den Kleingärten in der Tiberiusstraße bildete das überlaufende Wasser einen dicken Panzer.
Am späten Abend spitzte sich die Lage an der Singold zu. „Wenn die Singold wegen beginnender Vereisung langsamer fließt, erhöht sich die Gefahr, dass sie ganz zufriert“, so Bechtel. Darum habe man handeln müssen. Die Kapseln wurden auf der Eisdecke befestigt und aus 200 Metern Abstand gezündet. Die Pferde eines nahen Reiterhofs wurden von ihren Besitzern beruhigt, damit sie nicht scheuen. Der ersten Sprengung folgte um 23.30 Uhr im Lauf der Nacht eine zweite Sprengung. „Das Eis ist auseinander, aber an den Zweigen hängt noch so viel, dass wir nachsetzen müssen“, so Bechtel.
Am Vormittag war die Feuerwehr bereits am Lochbach im Einsatz. Dort hatten die Einsatzkräfte am Kraftwerk in der Martinistraße den vereisten Noteinlauf mit der Motorsäge von Brettern befreit. Das Wasser sank so um 20 Zentimeter. Neben einem Zufrieren der Oberfläche gibt es an den Bächen in Augsburg bei extrem tiefen Temperaturen ein besonderes Phänomen: Grundeis. Die Kälte des Bodens sorgt dafür, dass sich Eis am Grund des Baches bildet. Das kann zu Überschwemmungen führen. Am Wochenende gab es bereits am Lochbach und an der Singold kleine Überschwemmungen.
Während das Eis an der Singold zu dick ist, ist es an den Seen zu dünn. Am Samstag brachen am Kuhsee drei junge Männer ein. Da sie alle nahe des Ufers unterwegs waren, sanken sie nur bis zu den Knien ins Wasser. Die Wasserwacht versorgte sie. Am Sonntag rutschten zwei junge Frauen auf dem Eis aus und erlitten leichte Gehirnerschütterungen. Günter Eisenrith, Leiter der Wasserwacht, warnt davor, zugefrorene Seen der Stadt zu betreten: „Trotz der Kälte sind die Eisplatten noch nicht dick genug.“
Unterdessen sorgt die Kälte bei Handwerkern für Arbeit. „Wir kommen kaum nach“, sagt Rolf Rieblinger, Obermeister der Sänitärinnung. In vielen Häusern fielen Heizkörper aus, etwa in selten benutzten Räumen. „Fenster sollten jetzt überall im Haus, auch im Keller und im Badezimmer, nicht gekippt werden, sonst frieren Wasserrohre zu“, sagt Rieblinger. Auch bei der Stadt fiel die Heizung aus. Im Verwaltungsgebäude II am Elias-Holl-Platz hatte es am Freitag wegen eines defekten Wärmetauschers nur 15 Grad. Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt. Gestern war es wieder warm.
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