Sonntag, 24. Juli 2016

20. Februar 2016 08:16 Uhr

Augsburg

Möbelhaus raus, Asylbewerber rein: Mieterin erfährt davon aus Zeitung

Investoren wollen ein Gebäude in Oberhausen zu einer Flüchtlingsunterkunft umbauen. Die augenblickliche Mieterin erfuhr aus der Zeitung davon. Sie will nicht ausziehen.

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130 Asylbewerber sollen in einer Gemeinschaftunterkunft an der Donauwörther Straße 284 einziehen. Die Regierung von Schwaben will das Gebäude von einer Eigentümergemeinschaft anmieten. Doch die Hälfte ist schon belegt. Dort hat seit 2013 das hochwertige Möbelhaus „Die Einrichtungsberatung“ von Nassi Mozaffarian seinen Sitz. Die Chefin erfuhr aus unserer Zeitung von den Plänen – und fiel aus allen Wolken, wie sie sagt: „Es war ein Schock.“ Denn sie habe viel investiert, sei erfolgreich – und habe nicht vorgehabt auszuziehen.

Die Regierung von Schwaben teilt auf Anfrage mit, sie habe das komplette Gebäude gemietet. Nach Umbaumaßnahmen sollen dort laut Pressesprecher Karl-Heinz Meyer im Herbst die Menschen einziehen. „Laut dem Eigentümer endet das Mietverhältnis mit dem Möbelhaus Ende des Jahres.“

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Eigentümer ist seit wenigen Tagen die RFD GmbH. Deren Firmensitz ist ein Wohnhaus in Friedberg, Geschäftsführer sind der Immobilienmakler Dirk Schäfer, der Architekt Christian Fußner und Roland Drewnick, Chef einer Heizungs- und Sanitärfirma. Schäfer sagt: „Die Basis für den Erwerb war, dass der Mietvertrag Ende 2016 ausläuft.“ „Damit ist das Areal leer und wunderbar der Unterbringung zuzuführen.“ Er habe das erste Mal davon gehört, dass die Mieterin nicht gehen will, als ihn die Regierung von Schwaben nach der Anfrage unserer Zeitung informierte. Veranlassung, vor dem Kauf mit der Mieterin zu sprechen, habe man nicht gesehen. Schäfer: „Ich halte mich an die Verträge.“ Es werde keine Kündigung ausgesprochen, sondern das Mietverhältnis laufe aus – das sei ein Unterschied.

Was steht im Mietvertrag?

Dieser Punkt ist allerdings strittig. Schäfer interpretiert den Vertrag so, dass Mozaffarian bis Juli 2015 die Option auf eine Verlängerung gehabt und diese nicht genutzt habe. Mozaffarian sagt, es sei festgelegt, dass der Vertrag sich automatisch verlängert. In der Tat steht im Vertrag, der unserer Zeitung vorliegt: „Wird nicht spätestens 6 Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit des Mietverhältnisses gekündigt, so verlängert es sich jeweils um 1 Jahr.“ Und gekündigt wurde nicht.

Einig sind sich alle Seiten bei einem: Asylunterkunft und Möbelhaus sind unter einem Dach nicht zu vereinbaren. Der Bau, auch früher schon einmal als Möbelhaus genutzt, besteht aus einer großen Halle, die augenblicklich zweigeteilt ist. Es gibt nur einen gemeinsamen Eingang. Linkerhand befindet sich die luxuriöse Einrichtungsberatung von Mozaffarian. Seit 13 Jahren ist sie selbstständig, vor drei Jahren ist sie von Mühlhausen nach Oberhausen gezogen. Ein Objekt zu finden, das für ihr Geschäft geeignet ist, sei schwer.

Die Mieterin ist in Sorge um Kunden und Angestellte

Nassi Mozaffarian ist im Iran geboren, nach Deutschland kam sie als kleines Mädchen in den 70er Jahren, als ihr Vater das Land aus politischen Gründen verlassen musste. Sie sagt, die beiden Nutzungen ließen sich nicht unter einen Hut bringen: „Ich verkaufe Luxusmöbel, meine Kunden kommen im Porsche und trinken Prosecco. Und nebenan sind Menschen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben und vor dem Nichts stehen.“ Das tue ihr weh für die Flüchtlinge. Sie gibt offen zu, dass sie fürchtet, Kunden zu verlieren. Außerdem mache sie sich Sorgen um ihre Angestellten, alles Frauen. „Ich kann zusperren.“

Ihre Vorwürfe richten sich gegen die früheren Vermieter ebenso wie gegen die jetzigen Inhaber. Sie hätten sie nicht informiert und nähmen das Aus für ihre Firma in Kauf, die neben drei Mitarbeiterinnen im Haus noch einen Schreiner, Polsterer und Näherinnen beschäftigt. Doch auch die Regierung von Schwaben habe es versäumt, sorgfältig zu prüfen, was für ein Gebäude sie mietet.

Am Mittwoch trifft Schäfer sich mit Mozaffarian zum Gespräch. Regierungspräsident Karl Michael Scheufele sagte gestern, man habe die Eigentümer um Klärung gebeten. „Wir wollen wissen, was Sachstand ist.“

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Ein Artikel von
Ute Krogull

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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