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Vortrag: Neid auf die Erfolgreichen

Vortrag

Neid auf die Erfolgreichen

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    Der Holocaust-Forscher Götz Aly bei seinem Vortrag in Augsburg.
    Der Holocaust-Forscher Götz Aly bei seinem Vortrag in Augsburg. Foto: Foto: A. Zoepf

    Vor wenigen Monaten hat sich der Förderverein für das Jüdische Kulturmuseum gegründet, jetzt trat er erstmals mit einer hochkarätigen Publikumsveranstaltung an die Öffentlichkeit. Götz Aly, derzeit einer der prominentesten deutschen Holocaust-Forscher, war in den gut besuchten Augustanasaal gekommen, um sein neues Buch vorzustellen. Sein Vortrag war durchaus auch als Unterstützung für den Verein gedacht, mit dem aktive Menschen „aus der Mitte der Gesellschaft“ die Museumsarbeit mittragen wollen.

    „Warum die Deutschen? Warum die Juden“, fragt Aly im Titel seines Buches. Diese seit der Katastrophe des Holocaust immer wieder gestellte Frage beantwortet der Historiker auch mit Erfahrungen aus der eigenen Familie. Der aufstiegsorientierte Großvater steht bei ihm exemplarisch dafür, dass die Deutschen nicht als besonders heftige Antisemiten Hitlers rassistischer Politik folgten, dass sie aber skrupellos bereit waren, Vorteile zu nutzen, die ihnen diese Politik bescherte. Und diese lagen darin, dass die seit der staatlich gewährten Emanzipation in vielen Bereichen überaus erfolgreichen Juden aus ihren Berufen und Ämtern verjagt wurden, dass danach die nicht-jüdischen Deutschen Karriere machen konnten.

    Der Sozialneid auf die Juden entstand, wie Aly argumentierte, weil diese im 19. Jahrhundert einen beispiellosen Aufstieg schafften. „Die Juden ergriffen die Chancen, die ihnen die Emanzipationsgesetze boten“, resümiert er. Durch ihren ausgeprägten Bildungswillen hatten sie gegenüber den Christen auch tatsächlich einen Vorsprung.

    So dauerte es nicht lange, bis die nicht-jüdische Mehrheit nach Restriktionen und Ausschluss der Juden von Ämtern rief. Solche Protektion der christlichen Bevölkerung habe dieser freilich ein schwaches Selbstbewusstsein beschert, und tatsächlich könne man die Geschichte des Antisemitismus in Deutschland als eine Geschichte von Minderwertigkeitsgefühlen lesen, sagt Aly. Die dann von den Nationalsozialisten verbreiteten Rassetheorien hätten lediglich der Verschleierung von Neid gedient.

    Mit seinen Daten über Ungleichheiten bei Aufstieg, Wohlstand, Bildungs- und Berufserfolg setzt Götz Aly den Akzent erneut auf soziale Realitäten und menschliche Konstanten statt auf Ideologien, um die Judenverfolgung zu erklären. In der von Nikolaus Huek (Evangelisches Forum) moderierten Diskussion mochte das nicht jeder Zuhörer mittragen. Einverständnis herrschte jedoch mit Alys Schlussbemerkung, den Neid als Grundlage von Hass gegenüber Minderheiten könne man überall entdecken – auch heute.

    Verein Wer Freund und Förderer des Jüdischen Kulturmuseums werden möchte, kann sich auf der Homepage des Museums darüber informieren: www.jkmas.de

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