Donnerstag, 21. September 2017

08. Oktober 2014 13:15 Uhr

Augsburg

Neues Konzept: Was wird aus der Augsburger City?

Die Innenstadt hat sich herausgeputzt. Das weckt Wünsche und Begehrlichkeiten von Veranstaltern. Was bei der Stadt keineswegs nur auf Begeisterung stößt.

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Baustellenstadt Augsburg: Haben Sie zuletzt einen großen Bogen um die Innenstadt gemacht? Dann wird’s höchste Zeit für einen Besuch. Gehen Sie ruhig mal wieder hin. Sie werden sich wundern: die Bagger sind weg, Baustellenlärm gibt’s nicht mehr, keine Absperrungen, keine Behinderungen. Die Innenstadt wirkt einladend und attraktiv – wie seit Langem nicht mehr. Neu gestaltete Plätze in zentraler Lage erhöhen die Aufenthaltsqualität. Das weckt Begehrlichkeiten von Veranstaltern. Sie wollen die Innenstadt für ihre Aktionen nutzen. Darüber ist nicht jeder begeistert, auch nicht bei der Stadt.

Um Auswüchse einzudämmen, wird ein Konzept ausgearbeitet, wie Plätze künftig bespielt werden. Eine Botschaft, die aus dem Rathaus nach außen dringt, ist klar: Nicht alle Wünsche werden durchgewunken. Die Stadt will eine konsequentere Linie fahren. Einen Platz hat sie besonders im Blick: den Königsplatz. Gegenwärtig gibt es jedenfalls keine strikte Handhabe, wie sich erst in den zurückliegenden Wochen gezeigt hat. Bürger regten sich über einzelne Aktionen mächtig auf.

Das Ordnungsamt hatte den streitbaren Persil-Truck genehmigt

Da stand zum einen ein großer Persil-Truck mehrere Tage lang eher deplatziert am Martin-Luther-Platz, zum anderen tanzten und sangen Mitglieder der umstrittenen Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme in der Mittagszeit am Königsplatz. In beiden Fällen lagen Genehmigungen des städtischen Ordnungsamtes vor. Zwischenzeitlich heißt es, dass die Stadt darüber auch nicht ganz glücklich gewesen ist.

Der nächste Ärger droht: Am Freitagnachmittag wird ein großer Truck von Jack Wolfskin am Martin-Luther-Platz stehen. Da er kürzer als zwölf Meter ist, muss die Stadt dies erlauben. Ein anderer Fall machte ebenfalls Schlagzeilen: Das ambitionierte Theater Comoedia Mundi hätte gerne ein Zelt für 150 Besucher auf den Elias-Holl-Platz gestellt. Drei Wochen sollte das Spektakel dauern. Die Stadt sagte Nein. Auf dem sanierten Platz dürfen keine Nägel für ein Zelt befestigt werden, hieß es. Die Künstlergruppe gastiert jetzt auf einer Wiese beim Kulturhaus Abraxas in Kriegshaber. Das Unverständnis über die Absage ist geblieben. Andere Begehrlichkeiten gab es für die Vorweihnachtszeit: Neben dem Christkindlesmarkt auf dem Rathausplatz (24. November bis 24. Dezember) sollte in unmittelbarer Nähe ein historischer Weihnachtsmarkt auf dem Elias-Holl-Platz sein. Laut Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) ist der Antrag zurückgenommen worden. Den Veranstalter zieht es jetzt auf den Helmut-Haller-Platz am Oberhauser Bahnhof. Hier findet von 24. November bis 5. Januar der „Kulturwinter am Oberhauser Bahnhof“ statt.

Baureferent Merkle (CSU): " Elias-Holl-Platz als Ort der Stille vorstellbar"

Die Bauarbeiten des Strassenbahntunnels am Augsburger Hauptbahnhof sind in vollem Gange. Seit September graben sich die Arbeiter immer tiefer und weiter in den Boden, um 2019 den neuen Hauptbahnhof zu präsentieren.

Ein weiteres vorweihnachtliches Spektakel läuft am Willy-Brandt-Platz vor der City-Galerie. Das Winterland erlebt eine Neuauflage. Die Vergabe der Plätze liegt in der Zuständigkeit des Ordnungsamtes. Geht es nach Baureferent Gerd Merkle (CSU), muss eine Abstufung einzelner Plätze vorgenommen werden: „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, den Elias-Holl-Platz als Ort der Stille zu betrachten.“ Dies müsse im Umkehrschluss nicht gleich Totenstille bedeuten. Das Areal würde sich auch für Konzerte eignen, sagt Merkle. Die besondere Atmosphäre des Platzes in der Altstadt habe sich bei der Friedenstafel gezeigt. Wurm teilt diese Auffassung: „Wegen der nahen Wohnbebauung, wozu das Kloster zählt, gilt der Holl-Platz als besonders sensibel wegen des Lärms.“

Offen ist gegenwärtig, welche Veranstaltungen am Königsplatz möglich sind. Da vor dem Umbau der Kö wegen der Straßenführung als wenig attraktive Fläche galt, gibt es keine feste Regelung. Mehrere Referate sind dabei, sich abzustimmen. Wurm sagt, dass voraussichtlich bis Mitte November ein Vorschlag ausgearbeitet sein dürfte. Das letzte Wort hat der Stadtrat. Mit seiner Entscheidung ist im Februar 2015 zu rechnen. Die politische Debatte ist nicht neu. Bereits Ende 2013 hatten sich Stadträte mit Nutzungsrichtlinien für die städtischen Plätze befasst.

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Michael Hörmann

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