Anders war das im vergangenen Jahr bei Oberbürgermeister Kurt Gribl: Er hat das Bierfass beim Anstich zertrümmert. Deshalb habe der zweite Bürgermeister Hermann Weber dieses Jahr darauf geachtet, einen leichten Hammer zu nehmen. Gegen elf Uhr hat er den Frühjahrs-Plärrer am heutigen Sonntag mit drei Schlägen eröffnet. Die Eröffnungsfeier fand im Festzelt Binswanger statt. Mit dabei war auch Otto Schwarzfischer mit seiner Oktoberfestkapelle. Im Laufe des Vormittags strömten immer mehr Besucher auf das Festgelände.
Die Wettervorhersage für den Plärrer könnte kaum besser sein: Sonne satt und milde Temperaturen sind angekündigt. „Das ist der Vorteil an einem Plärrer, der bis in den Mai dauert“, sagt Michael Lutzenberger, 2. Vorsitzender des Schaustellerverbandes. 86 Betriebe sind in diesem Jahr auf dem Plärrer vertreten.
Wie jedes Jahr wird wieder etwa eine halbe Million Besucher erwartet. Es könnte ein sehr guter Plärrer werden, denn das Wetter spielt eine große Rolle. „Die Voraussetzungen sind super. Auch abends ist es jetzt wärmer. Und wir haben einen Monatsanfang in der Festzeit. Die Leute bekommen also frisches Gehalt“, so Lutzenberger. 2008, als der Plärrer wegen des frühen Osterfestes schon im März startete, gingen die Umsätze derart in den Keller, dass das Volksfest verlängert wurde. Doch diesmal sind die Erwartungen hoch. „Die Wirtschaftskrise ist vorbei, und das merken auch wir positiv.“
Allerdings steigen dafür zum Teil auch die Preise. In den zwei großen Bierzelten kostet die Maß heuer 6,90 Euro und ist damit 30 Cent teurer geworden. „Aber auch, wenn die Kosten steigen, können wir nicht alles an die Besucher weitergeben. Sie würden sonst wegbleiben.“ Vergangenes Jahr hat die Stadt die Standgebühren im Schnitt um zehn Prozent erhöht, um das fünfstellige Plärrer-Defizit auszugleichen. Beispiel: Pro Quadratmeter Bierzelt zahlt ein Wirt seitdem 7,45 statt 6,80 Euro für die Gesamtdauer.
Mehrere Neuheiten sollen die Besucher in diesem Jahr auf den Plärrer locken, unter anderem eine Schienenbahn mit hängenden Gondeln. Wer sich erschrecken lassen möchte: Es gibt auch eine Geisterbahn, in der man eine 3-D-Brille aufsetzen muss.
Erstmals nutzte die Stadt in diesem Jahr ein neues Punktesystem, um die Vergabe an die Schausteller zu regeln. Die Einführung des Systems, das wegen einer EU-Richtlinie kam, war im Vorfeld kritisiert worden. Die heimischen Beschicker, die einen Großteil der Plärrer-Geschäfte ausmachen, fürchteten um ihre Pfründe. Nach Kriterien wie Anziehungskraft, Gestaltung, Tradition und bisheriger Vertragserfüllung werden nun Plätze vergeben. Die Praxis zeigt indes: Geändert hat sich faktisch wenig.
Viertes Zelt auf dem Plärrer
Für den nächsten Osterplärrer stehen schon Veränderungen an. Frühestens ab 2012, so lautet ein Stadtratsbeschluss, kann ein viertes Zelt aufgestellt werden. Bisher teilen sich das Schaller-Zelt, das Binswanger-Kempter-Zelt und die kleinere Hühnerbraterei das Geschäft. Nun soll noch ein höherwertiges Gastro-Zelt her, das sich von den eher bodenständigen Zelten abhebt. Es soll mit 15 Metern Frontlänge aber deutlich kleiner sein als die bisherigen Zelte. Die Zeltpläne und die Bewerbung von Feinkost Kahn hatten vor zwei Jahren für Wirbel gesorgt (wir berichteten). Noch ist unklar, ob das neue Zelt schon kommendes Jahr kommt, geschweige denn, wer es betreibt. „Die aktuellen Planungen gehen momentan bis zum Herbstplärrer“, sagt Werner Kaufmann, der seit einigen Tagen neuer Marktamtsleiter und somit „ Chef“ des Plärrers ist. Künftig soll es auch nur noch zwei statt bisher drei Autoscooter geben. Der Osterplärrer ist eröffnet!