Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten

Verkehr: Premiere in Augsburg: Studenten als Straßenbahnfahrer

Verkehr

Premiere in Augsburg: Studenten als Straßenbahnfahrer

  • |
  • |
  • |
    Student Alexander Ahle jobbt als Straßenbahnfahrer. Wir begleiteten ihn in seiner ersten Woche im Linienverkehr.
    Student Alexander Ahle jobbt als Straßenbahnfahrer. Wir begleiteten ihn in seiner ersten Woche im Linienverkehr. Foto: Foto: Ruth Plössel

    Alexander Ahle ist im Minus. „–1.20 Minuten“ zeigt die Uhr in der Fahrerkabine der Straßenbahn an. Die Strecke von Haunstetten zum Königsplatz hat diesmal mehr Zeit gekostet, als im Fahrplan vorgesehen. Aber heute Morgen kann Alexander Ahle die kleine Verspätung bald wieder ausgleichen. Am Königsplatz hat er ein paar Minuten Wartezeit und damit einen Puffer im Fahrplan.

    „Tramfahren ist anspruchsvoller als ich gedacht habe“, sagt Ahle, „man muss auf so viele Dinge aufpassen.“ Der 21-Jährige ist neu im Team der Augsburger Straßenbahnfahrer. Normalerweise studiert er Wirtschaftsinformatik an der Hochschule. Nun fährt er nebenbei auch noch Tram, um Geld zu verdienen. Nach 34 Tagen Ausbildung ist er seit einer Woche im Linienbetrieb unterwegs. So wie insgesamt 14 Studenten, die erstmals als Aushilfen bei der städtischen Verkehrsgesellschaft (AVG) eingesetzt werden.

    Die Premiere war unspektakulär. „Es gab nur leichte Verspätungen von drei bis fünf Minuten, aber das ist normal bei diesem Ausbildungsstand“, sagt Xaver Geierhos, Leiter der Ausbildung bei der AVG. In den ersten Tagen sieht den studentischen Tramfahrern noch ein erfahrener Einweiser über die Schulter. Danach müssen sie alleine mit der Bahn zurechtkommen.

    Combino ist achtmal so lang wie ein Auto

    Einfach ist das nicht. Der Unterschied zwischen Autofahren und Tramfahren ist riesengroß. „Ein großer Pkw ist etwa fünf Meter lang, eine Combino-Straßenbahn rund 42 Meter“, rechnet Geierhos vor. Eine Straßenbahn kann auch nicht ausweichen wie ein Auto, wenn es eng wird im Verkehr. Alexander Ahle hat seine erste Schrecksekunde schon hinter sich. Eine Radlerin fuhr ihm beinahe in die Straßenbahn. „Ich konnte gerade noch klingeln.“ Der Bremsweg wäre zu lang gewesen.

    An diesem Vormittag ist der Student mit einer Cityflex über vier Stunden auf der Linie 2 unterwegs und es passiert – nichts. Die meisten Fahrgäste bekommen gar nicht nicht mit, wer vorne in der Kabine sitzt. Wie die Tram fährt, wird aber durchaus registriert. „Sie bremst sanft“, findet Ernestine Baumann, „es ruckt nicht so, dass man fast vom Sitz fällt.“

    Mutter Sandra Karg ist mit ihren Zwillingen im Kinderwagen in der Tram unterwegs. „Mir fällt auf, dass der Fahrer in den Rückspiegel schaut,“ sagt sie beim Aussteigen. Das findet sie sehr beruhigend. Sandra Karg hat auch eine dreijährige Tochter. Da kommt es oft vor, dass ein Kind noch in der Straßenbahn steht, während die anderen beiden schon draußen sind. Wenn dann die Türen schließen, ist das Stress pur für eine Mutter.

    Mehr nette Worte wären erwünscht

    Alexander Ahle hat vorne in seiner Kabine noch acht Videokameras, mit denen er seine Passagiere im Blick behält, beispielsweise die Rollstuhlfahrerin, die gerade einsteigt. Überhaupt muss er ständig auf viele kleine Dinge achten. Am Oberhauser Bahnhof will eine junge Frau einen Fahrschein bei ihm lösen. Am Kö fragt ihn ein Fahrgast im Vorbeigehen nach dem richtigen Bahnsteig.

    Rund 700 Haltestellen im Liniennetz müssen die regulären Fahrer auswendig kennen, dazu Fahrpreise, Fahrzonen, Fahrzeugtechnik, Erste Hilfe, und natürliche die Signale und Weichen. Und dann sind auch noch viele Details auf der Strecke zu beachten. Wie ist die Reihenfolge der Trams am Kö? An welchen Ampeln hat die Tram keine Vorrang-Schaltung vor dem Autoverkehr und muss warten?

    Alexander Ahle schafft es an diesem Tag trotzdem, den Fahrplan fast immer pünktlich einzuhalten. „Er fährt sehr gut“, lobt Einweiser Peter Böhm, der ihm über die Schulter schaut. Böhms Wunsch wäre, dass auch Fahrgäste ab und zu ein gutes Wort für die Tramfahrer übrig haben. "Kommentar

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden