Gewerbetreibende und Anwohner östlicher Gemeinden haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie fordern die Öffnung. Nun wird sich der Augsburger Stadtrat mit dem Thema auseinandersetzen. Die Freien Wähler wollen in einem Antrag an OB Kurt Gribl eine Überprüfung fordern. FW-Stadtrat Rainer Schönberg macht keinen Hehl daraus, dass er die Schranke nach Inbetriebnahme der neu gebauten, parallel verlaufenden Südtiroler Straße (als Zubringer zur Augsburger Ost-Umfahrung AIC 25) für überflüssig hält. Er steht hinter dem Antrag.
Trotzdem sieht, wie berichtet, Stadtbaurat Gerd Merkle (CSU) keinen Grund, den städtischen Kurs zur Beruhigung des Viertels zu ändern. "Unser Ziel ist es, die Anwohner vor Durchgangsverkehr zu schützen." Doch nicht jeder will geschützt werden: 17 Mal wurde in den letzten Jahren die Schranke schon demoliert. Mittlerweile hat die Stadt eine Überwachungskamera eingebaut. Nun ist Ruhe.
Zur Erinnerung: Im Zuge des Baus der neuen Ostumgehung wurde die viel befahrene Stätzlinger Straße 2007 für den Durchgangsverkehr gesperrt. Autos wurden auf die neue, parallel verlaufende Südtiroler Straße umgeleitet, die über die kleine Ostumgehung zur Schleifenstraße führt. Nachdem erste Durchfahrtsverbotsschilder am Ende der Stätzlinger Straße ignoriert wurden, errichtete die Stadt eine Schranke, die nur Busfahrer zur Durchfahrt elektronisch öffnen dürfen. Seitdem schlagen die Wellen hoch.
"Für die Schranke haben wir lange gekämpft", sagt Anwohner Gerd Heim, der von der Verkehrsreduzierung profitiert. Er ist "verärgert", dass die Stadt für die Reparatur der von "unbelehrbaren und egoistischen Sympathisanten" demolierten Schranke viel Geld ausgeben musste. Heim spricht auch von "terrorisieren". Die Zu- und Anfahrt über die Kalterer Straße sei jedem zumutbar. Früher lag die Verkehrsbelastung im Bereich der Stätzlinger Straße bei rund 20 000 Fahrzeugen am Tag.
Bürgerinitiative hat 2500 Unterschriften gesammelt
Den Gegenpart in der Diskussion übernimmt die Bürgerinitiative, die sich vor allem um die dortige Aral-Tankstellen-Eigentümerin Theresa Gum formiert hat. 2500 Unterstützerunterschriften wurden gesammelt. Man will die Schranke nicht akzeptieren.
Die Sperrung der Durchfahrt für den Individualverkehr sei mit den Anwohnern nicht abgesprochen worden, so Gum. Auch die rund 120 Gewerbebetriebe seien zu der "obskuren" Schranken-Aktion nicht befragt worden. Die Abkoppelung führe zum Teil zu empfindlichen finanziellen Einbußen und Ärger wegen Lärm durch Brummifahrer, die sich in der Sackgasse verfahren haben oder die Schleichwege verstopfen.
"Die Situation ist nachweislich keineswegs rechtlich eindeutig und unumkehrbar wie Baureferent Merkle es behauptet", so Torild Wagner von der Bürgerinitiative. Der Beschluss könne wieder aufgehoben werden.