Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Innenstadt
Icon Pfeil nach unten

Augsburg: Sie ekelt sich vor gar nichts

Augsburg

Sie ekelt sich vor gar nichts

  • |
  • |
  • |
    Schädlingsbekämpferin Daniela Seemiller.
    Schädlingsbekämpferin Daniela Seemiller. Foto: Nadine Bradl

    Dicke Nebelschwaden, beißender Geruch, weiße Schutzanzüge, sperrige Gasmasken. Dieses Bild haben viele sofort vor Augen, wenn sie den Begriff Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer hören. Doch die Realität sieht anders aus: Es werden keine ganzen Räume mit Giftstoffen vergast, um unliebsame Kriechtiere zu vertreiben. Die Schädlinge werden präzise und punktuell bekämpft.

    Eine, die ganz genau weiß, wie es funktioniert, ist Daniela Seemiller. Während sich viele Damen vor Spinnen und Käfern ekeln, ist sie Expertin für Ungetier aller Art. Sie ist Schädlingsbekämpferin. Ihre Ausbildung bei Heinz Eichleiter hat sie als Beste in Schwaben absolviert.

    Sieht man die 33-Jährige zum ersten Mal, würde man nicht darauf kommen, dass ihr Berufsalltag daraus besteht, Larven, Schaben, Ratten und andere Schädlinge zu beseitigen. Die Augsburgerin ist eine zierliche junge Frau mit schwarzen Haaren, die in den weiten grünen Arbeitshosen und dem großen braunen Pullover fast etwas verloren erscheint. Doch der Eindruck trügt, Seemiller ist belastbar und schreckt vor nichts zurück. „Mich ekeln diese Tiere keinesfalls, das ist für mich ein Job wie jeder andere auch“, sagt sie. Und für diesen hat sich die junge Frau ganz bewusst entschieden.

    Nach zehn Jahren schmiss sie ihren alten Beruf

    Nach zehn Jahren war ihr die alte Arbeit als Bürokauffrau zu langweilig. Seemiller wollte Abwechslung, aktiv sein und auch handwerklich etwas leisten. Da Biologie und Chemie schon immer ihr Interesse weckten, erfuhr sie durch Zufall von einem Praktikum als Schädlingsbekämpferin in Hamburg. Dieses bereitete ihr so viel Freude, dass Seemiller sich dazu entschloss, als Quereinsteigerin diesen Beruf zu erlernen und eine Ausbildung zu beginnen.

    Mittlerweile hat Seemiller so allerhand erlebt. „Kein Tag ist hier wie der andere, jedes Mal passiert etwas Neues“, freut sich die junge Frau. Sie hat schon Wespennester entfernt, Messie-Wohnungen desinfiziert oder Lebensmittelunternehmen darüber informiert, wie diese einem möglichen Schädlingsbefall vorbeugen können.

    Hinweis auf einen Schabenbefall

    Sie weiß genau, auf was zu achten ist. „Entdecken unsere Kunden zum Beispiel kaffeesatzähnliche Spuren hinter Kühlschränken oder Waschmaschinen, könnte das ein Hinweis auf einen Schabenbefall sein“, sagt Seemiller. „Ich verteile dann ganz gezielt mit einer Spritze an den entsprechenden Stellen sogenannte Gelpunkte.“ Die Schaben fressen diese und sterben. Der Kadaver wird aufgesaugt. Zur Nachkontrolle werden Klebefolien an der betroffenen Stelle angebracht. „Falls sich doch noch ein paar Insekten auf den Pappstreifen verfangen, wiederhole ich die ganze Prozedur ein zweites Mal“, sagt die Fachfrau. Der Vorgang sei für Menschen völlig ungefährlich.

    Leider hat Seemiller in ihrem Beruf immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen. Manche Kunden forderten sie auf, nicht direkt vor ihrem Wohnhaus zu parken, damit die Nachbarschaft keinen Verdacht schöpft. Dabei sei ein Schädlingsbefall heute keine Seltenheit mehr, weil sich die Lebensbedingungen der Tiere aufgrund der wärmeren Temperaturen verbessert hätten.

    Ihre Mitbewohner in der Wohngemeinschaft hat Seemiller längst von ihrem Job überzeugt. „Anfangs fürchteten sie sich“, erzählt die junge Frau, „jetzt sind sie immer ganz gespannt auf meine neusten Geschichten und Erlebnisse.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden