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Sie malt mit Schlaufen und Gewebe

Augsburg

Sie malt mit Schlaufen und Gewebe

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    Überraschende Farbzusammenstellungen in asymmetrischen Flächen zeigen die Kaseln (Messgewänder) von Andrea Dresely. Eine Werkschau der Textilkünstlerin aus Pöttmes mit 60 Objekten präsentiert die Schwäbische Galerie im Volkskundemuseum Oberschönenfeld. Foto: Marcus Merk
    Überraschende Farbzusammenstellungen in asymmetrischen Flächen zeigen die Kaseln (Messgewänder) von Andrea Dresely. Eine Werkschau der Textilkünstlerin aus Pöttmes mit 60 Objekten präsentiert die Schwäbische Galerie im Volkskundemuseum Oberschönenfeld. Foto: Marcus Merk Foto: Marcus Merk

    Textilien verändern Räume. Die evangelische Kirche in Bobingen erhält durch die Segel an der Stirnseite eine klare künstlerische Akzentuierung. Hier entstand eine Bühne des Göttlichen durch mehrere Stoffbahnen, die sich als Kulissen überlappen. Die hellen Stoffe mit goldenen Dekors in Form der Raute erzeugen ein besonderes Licht. Durch schiefe Ränder wirken die Bahnen bewegt wie Engelsflügel. Ganz anders die Jakobsfahne für die Augsburger Jakobskirche: Das nachtblaue Wollgewebe durchpulst von oben herab eine Spirale aus Goldfäden, aus deren Ursprung sich eine Kaskade mehrfarbiger Lichtpunkte ergießt.

    Andrea Dresely kann sowohl mit reduzierten Mitteln als auch in der Fülle überzeugend gestalten. In ihren Labyrinthen ergeben sich teilweise die Wege nur durch erhöht gewebte Kanten oder durch dezente Farbunterschiede. Auf einfarbigen Teppichen bilden herausgehobene Schlaufen und Knoten die Dekors.

    Mitunter sind die Leerstellen das Wichtigste. Ein Kreuz bildet sich durch einen gähnenden Spalt, der von unten in einen Wandteppich eingewoben ist, und durch einen mit Goldfäden aufgestickten Querbalken, der die Zertrennung für einen fixen Moment schließt. Einen anderen Wandteppich durchzieht diagonal von unten nach oben eine Kluft, die nur von den Kettfäden sporadisch überbrückt wird. Ist es ein aufsteigender Entwicklungsgang?

    Gebrochene Farben kommen bei ihren Messgewändern zur Geltung. Andrea Dresely ordnet sie in asymmetrischen flächigen Feldern an oder setzt sie in Gobelintechnik zu Mosaiken oder Streifen zusammen. Sie mischt grundsätzlich ihre Farbnuancen selber und ihre manchmal überraschenden Farbzusammenstellungen gehen über die Palette von Gebrauchskunst hinaus.

    Die Textilien reagieren aber auch auf die Räume, für die sie entworfen wurden. So greift der Augsburger Domornat Formen der Schlusssteine im Gewölbe der Kathedrale auf. Für das Priesterseminar entstand eine außergewöhnliche Kasel, die in starken Hell-Dunkel-Kontrasten jenseits der üblichen liturgischen Farben das Thema "Das Licht teilt die Finsternis" abbildet. Für die Kapelle hat Dresely auch Lichtbilder über die vier Elemente in Grün, Rot und zweierlei Blaus gestaltet. Sie zeigen dieselbe weiche Bildsprache wie die Aquarelle "Unter Wasser" und wie die meisten ihrer zarten Lichtbilder als farbige Collagen aus transparentem Seidenchiffon.

    Reizvoll sind auch Andrea Dreselys Spannbilder anzusehen. Zart wie Spinnweben knüpft sie Netze, Fächer, Schraffuren. Sogar ein kleiner Wald entsteht. In dekorativen Tapisserien lässt die Künstlerin völlig frei Farben und Formen sprechen. Nichts haben sie mit Mustern zu tun, es gibt keine Wiederholungen. Eher reichen diese Arbeiten an die Konstruktivisten heran, und sei es eine Blüte, die zu Geometrie wird.

    Laufzeit bis 20. Februar, Di. bis So. 10-17 Uhr, an allen Feiertagen geöffnet, Heiligabend und Silvester 10-14 Uhr.

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