Nach dem Bekanntwerden von Misshandlungen in einem Augsburger Pflegeheim zeigt sich der BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk betroffen. Er forderte Mitarbeiter und Angehörige auf, Missstände zu melden.
"Ich war völlig geschockt, als ich von den eklatanten Missständen erfahren habe", sagte er der dapd. Was in dem Heim geschehen sei, treffe ihn doppelt. Hier habe nicht nur ein Pfleger alte Menschen misshandelt, sondern es seien auch Hinweise auf dessen Fehlverhalten von der Heimleitung nicht weitergemeldet worden.
Stärk versprach offene Aufklärung und "Null-Toleranz" gegenüber jeder Art grober Fehler und Gewalt in der Pflege. Die Heimleitung sei umgehend abgelöst, der betreffende Pfleger entlassen und die Staatsanwaltschaft informiert worden.
Letzteres bestätigte am Dienstag auch Staatsanwaltschaftssprecher Matthias Nickolai: "Die Anzeige des BRK ist bei uns eingegangen. Wir ermitteln, nähere Angaben dazu kann ich noch derzeit nicht machen", sagte er.
Der Pfleger mit Fachprüfung hatte offenbar bei den Heimbewohnern ein Regiment der Angst geführt. Er soll von ihm betreute Senioren geschlagen haben. Insassen sei der Arm umgedreht worden, lautet ein weiterer Vorwurf. In mindestens einem Fall sei eine Bewohnerin sexuell belästigt worden. Zudem sollen Psychopharmaka verabreicht worden sein. "Das zog sich offenbar über Monate hin. So was darf nicht mehr passieren", sagte Stärk. Er forderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch junge Pflegeschülerinnen auf, "mutig und sensibel" Missstände anzusprechen. Überlegt werde auch, eine Art Ombudsmann zu installieren, bei dem sich Heiminsassen, Angehörige, aber auch Pflegekräfte melden können - auf Wunsch auch anonym. AZ/dapd