Zwei Tage vor Beginn des Jugendfestivals Modular, das der Stadtjugendring (SJR) veranstaltet, ist dessen Vorstand mit einer überraschenden Neuigkeit an die Öffentlichkeit gegangen: Mindestens sieben der neun Mitglieder wollen bei der nächsten Vollversammlung am 17. Juni nicht mehr antreten – darunter auch Vorsitzender Raphael Brandmiller, der das Amt zehn Jahre innehatte. Damit steht der Stadtjugendring vor einem großen Umbruch.
Die Ankündigung kommt in einer Situation, die für den SJR nicht einfach ist: Wie berichtet, steht die Organisation ohne finanzielle Rücklagen da, weil eine Mitarbeiterin über Jahre hinweg Geld falsch verbucht hatte. Insgesamt fehlen in der Kasse rund 500000 Euro. Brandmiller hatte zuletzt bekräftigt, bis zur Aufklärung des Finanzskandals Vorsitzender zu bleiben. Gestern nun sagte er im AZ-Gespräch, er habe bereits im Herbst 2012 entschieden, nicht erneut zu kandidieren.
Der Finanzskandal sei nicht für seine jetzige Entscheidung ausschlaggebend. Vielmehr sei es an der Zeit für einen Wechsel. „Vor allem in der Jugendarbeit sind frische Ideen und neue Impulse wichtig. Ich will jüngeren Personen Platz machen“, sagt der 32-Jährige. Ein Grund für den Rückzug seien auch die gestiegenen Anforderungen an das Ehrenamt. „Da wird viel von einem verlangt, die Arbeit ist sehr zeitintensiv.“
Dennoch: Gerade im Hinblick auf die Unregelmäßigkeiten im Verwaltungsbereich, die den Vorstand in den vergangenen Monaten beschäftigt haben, müsse ein Neuanfang gemacht werden. „Dafür will ich ein Signal geben.“ Der Vorstand des SJR besteht aus neun Mitgliedern – neben dem Vorsitzenden Brandmiller und seinem Stellvertreter Matthias Matuschka gibt es sieben Beisitzer. „Auch Matthias und mindestens fünf Beisitzer werden nicht mehr antreten“, sagt Brandmiller. Nachfolger seien noch nicht in Sicht.
Auch der Finanzskandal ist noch nicht ausgestanden: Der Prüfbericht des bayerischen Jugendrings ist zwar fertig, eine Stellungnahme des SJR steht jedoch noch aus. „Erste wichtige Schritte zur Konsolidierung haben wir bereits eingeleitet und die Weichen für die Erarbeitung einer neuen Struktur gestellt.“
Leicht falle ihm der Schritt nicht, bekräftigt Raphael Brandmiller. In den zehn Jahren sei im Stadtjugendring viel passiert, das Gremium sei eine Stimme der Jugend in der Stadt geworden. „Wir haben mit der B-Box im Herrenbach und dem Südstern in Haunstetten zwei neue Einrichtungen geschaffen.“ Auch das Jugendfestival Modular sei ein Erfolg.