Dienstag, 12. Dezember 2017

17. Juli 2016 06:16 Uhr

Augsburg

Streit um Baugebiet in Radegundis

Das Baugebiet in Radegundis sorgt für Verärgerung in Bergheim. Teilnehmer der Bürgerwerkstatt fühlen sich von der Stadt hintergangen. Was die Befürworter sagen. Von Fridtjof Atterdal

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Es ist noch nicht allzu lange her, dass sich die Bergheimer in einer Bürgerwerkstadt die Köpfe zerbrochen haben, wie die Entwicklung des Ortes die nächsten Jahrzehnte aussehen könnte und vor allem, wo neue Baugebiete aufgemacht werden könnten, ohne das empfindliche Landschaftsschutzgebiet „Westliche Wälder“ zu tangieren. Die Ergebnisse des Ortsentwicklungskonzepts lassen noch auf sich warten. Umso empörter sei man im Stadtteil, dass jetzt, quasi durch die Hintertüre, ein Baugebiet im Weiler Radegundis beschlossen wurde, das im Ortsentwicklungskonzept nie zur Disposition gestanden habe, sagt der Rechtsanwalt und Vorsitzende der Umweltinitiative Bergheim, Moritz Bode.

Es geht um ein Areal, das südlich von Radegundis und in den anderen Himmelsrichtungen an Wellenburg grenzt. Zur Fläche gehört das alte Sägewerk. Hinzu kommen viele Felder und Wiesen. Das Areal grenzt an den Naturpark „Westliche Wälder“. Aufgrund der exklusiven Lage wäre das Gebiet vor allem für vermögende Interessenten interessant. Der Beschluss, die Planungen voranzutreiben, wurde von CSU und SPD durchgesetzt – gegen die Stimmen ihres Bündnispartners Die Grünen. Gegen das Projekt sind die Mitglieder der Ausschussgemeinschaft Freie Wähler, Linkspartei, ÖDP und Polit-WG. Auch von der SPD Göggingen gab es eine Gegenstimme. Das Projekt stand schon einmal 2011 auf der Tagesordnung, damals hatte sich die SPD massiv dagegen gestellt, weshalb es nicht mehr weiter verfolgt wurde.

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Kritik aus Bergheim

„Seriöse Politik sieht anders aus“, schimpft Moritz Bode. Die Menschen in Bergheim hätten Zeit und Arbeitskraft im Ortsentwicklungsverfahren eingesetzt und würden jetzt hinterrücks mit der Entscheidung überfahren. „Es mag ja sein, dass Augsburg ein Villenviertel braucht, aber ich verstehe nicht, dass man schon wieder im Naturpark rumdoktert“, sagt er. Aus städteplanerischer Sicht sei die Lage des Baugebiets ein Unding. „Das ganze Ensemble der Allee geht kaputt – das ist keine Stadtentwicklung, sondern Zersiedlung“, so Bode.

Die Stadt sieht das anders. „Thema der Bürgerwerkstatt war das Ortsentwicklungskonzept Bergheim. Nachdem Radegundis in keinem unmittelbaren räumlichen und funktionalen Zusammenhang zu Bergheim steht, wurde eine bauliche Entwicklung im Bereich von Radegundis auch nicht in diese Veranstaltung mit einbezogen“, erklärt Georg Spielberger, der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamtes. Die Neuordnung der heute gewerblich geprägten Flächen westlich der Radegundisstraße böten die Chance einer Aufwertung, welche den Naturpark weniger beeinträchtige als die heutige Situation, so der Planer.

Auch der Vorsitzende der SPD Göggingen hat kein Problem mit dem Projekt. Die SPD Göggingen habe sich zu den Plänen noch keine abschließende Meinung gebildet, sagt er. Doch solange das Landschaftsschutzgebiet nicht angefasst werde, könne er sich ein Wohngebiet dort gut vorstellen. „Zunächst hat die Verwaltung ja nur den Auftrag, das Gebiet zu überplanen“, erklärt er. Niemand habe vor, hier ein „Reichengetto“ zu bauen, beteuert er. Es sei vielmehr eine durchmischte Bebauung angedacht.

Seine Parteifreundin Jutta Fiener hat im Stadtrat gegen das Baugebiet gestimmt. „Nicht jede Bebauung ist es wert, an so einer heiklen Stelle verwirklicht zu werden“, ist sie überzeugt. Sie könne sich vorstellen, dass anstelle des alten Sägewerks Wohnhäuser gebaut würden – doch eine Bebauung des Naherholungsgebiets drum herum mag sie nicht mittragen. „Warum schauen wir nicht erst mal in Bergheim oder Neubergheim, bevor wir ins Naherholungsgebiet gehen“, schlägt sie vor.

Pro Augsburg ist dafür

Beate Schabert-Zeidler, Fraktionsvorsitzende von Pro Augsburg, gehört zu den Befürwortern des Projekts: „Es geht darum, die jetzigen Schwächen dort zu bereinigen.“ Das alte Sägewerk sei nicht gerade attraktiv. Dass Wort Landschaftsschutzgebiet bedeute nicht, dass man dort gar nichts tun dürfe“, erklärt die Verwaltungsrichterin. So hätten sich dort durch Wildflug viele Bäume angesiedelt, die durchaus herausgemacht gehörten. Im nächsten Schritt werde jetzt ein Architektenwettbewerb durchgeführt, mit dem die optimale Nutzung des Gebiets ermittelt werden solle, so Schabert-Zeidler.

Bode ist überzeugt, dass nicht alles, was gesetzlich möglich ist, auch gemacht werden muss. „Im Süden von Bergheim gibt es ein Baugebiet, in dem schon ewig nichts passiert – ich frage mich, ob wir wirklich so dringend Bauland brauchen“, so der Umweltschützer. „Und glauben Sie wirklich, dass es dabei bleiben wird, wenn ein Baugebiet dort mitten ins Grüne gesetzt wird?“, fragt er rhetorisch.

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