Wer am Wochenende in eine Augsburger Straßenbahn steigt, der könnte in Zukunft von einem Studenten durch die Straßen chauffiert werden, der sich etwas fürs Studium dazuverdient. Die Stadtwerke suchen momentan Studenten und geringfügig Beschäftigte, die als Aushilfen auf dem Führerstand von Straßenbahnen Platz nehmen. „Es geht um eine flexible Reserve, die wir für die zunehmenden Sondereinsätze unserer Straßenbahnen benötigen, wie etwa die Bedienung der Impuls-Arena bei Heimspielen des FCA“, sagt Tobias Harms, Bereichsleiter für den Nahverkehrs-Betrieb der Stadtwerke.
Doch auch für die Zeit während des Königsplatz-Umbaus, wenn Straßenbahnen umgeleitet werden und teils durch Busse ersetzt werden müssen, braucht man mehr Fahrer. Die Aushilfsfahrer sollen lediglich Straßenbahnen steuern und keine Busse. Letztlich sollen die regulären Fahrer von Sonder- und Zusatzdiensten entlastet werden, betont Harms.
Aus Sicht der Stadtwerke wären 30 bis 40 geringfügig Beschäftigte nötig. Sie sollen auf allen Linien und allen Straßenbahntypen einsetzbar sein und je nach Einsatz bezahlt werden. „Die Fahrer der flexiblen Reserve werden genauso ausgebildet wie die im regulären Fahrdienst“, so Harms. Sie bekommen eine Schulung über etwa sechs Wochen. Voraussetzungen: Ein Führerschein der Klasse B und „gute Umgangsformen“, wie es in einer Stellenanzeige heißt. Auch Verkehrsbetriebe in anderen Städten – etwa in Köln – setzen auf studentische Fahrer. „Auch ich habe während meines Studiums als Straßenbahnfahrer in Karlsruhe gejobbt“, sagt Harms.
Solange die Aushilfsfahrer nur in Betriebsspitzen zum Einsatz kommen, hat auch der Betriebsrat kein Problem mit der Aktion. „Das war mit uns abgesprochen“, so der stellvertretende Vorsitzende Klaus Knitter. Die regulären Fahrer würden so entlastet. Die Entlohnung wird bei etwa zwölf Euro pro Stunde liegen und sich am üblichen Tarif für die hauptamtlichen Fahrer orientieren.
Unternehmen sieht keine versteckte Tarifflucht
Dass die Stadtwerke auf diese Weise versteckt aus dem Tarif flüchten wollen, sei nicht der Fall, betont man im Unternehmen. Es gibt bereits die Tochtergesellschaft ASG, in der alle neu eingestellten Busfahrer zu schlechteren Bedingungen beschäftigt werden. Momentan handelt es sich um 13 Mitarbeiter, geplant sind – entsprechend der Fluktuation bei den Verkehrsbetrieben AVG, für dieses Jahr 24.
Neuigkeiten gibt es übrigens in Sachen Uniformen. Nachdem die neue Dienstkleidung nicht passte, wurden die Fahrer Anfang des Jahres neu vermessen (wir berichteten). Inzwischen, so Harms, hätten fast alle Fahrer eine passende Kleidung. Wohl noch im März werde der interne Startschuss für die neuen Uniformen gegeben werden.