Was trug die modische Dame in den 1920er-Jahren, wenn sie ins Theater oder Konzert ging? Mit Sicherheit etwas Festliches. Zum Beispiel einen Abendmantel mit eleganten Blumenmustern und eingewebten Fäden aus Goldlamé. Ein solches Prachtstück der Modegeschichte zählt nun das Textilmuseum (tim) zu seinen Beständen. Zwei wertvolle Sammlungen wurden mithilfe des Förderkreises angekauft. Gestern waren sie zum ersten Mal zu sehen.


Die erste Sammlung stammt aus dem Nachlass der Textilsammlerin Ute Botsch aus Münster. Sie umfasst 30 elegante Kostüme und Kleider aus den 1920er- und 1930er-Jahren. "Die frühere Lehrerin hatte eine große Leidenschaft für Mode", erzählt Michaela Breil, Kuratorin für Mode und Textil im tim.
Zunächst richtete sich Botsch einen Second-Hand-Laden ein. Dort verkaufte sie elegante Damenkleider. Später war sie nur noch für ausgewählte Kunden unterwegs, um auf dem internationalen Markt besondere Kleidungsstücke aufzustöbern. Zur Klientel der Münsteranerin zählten Theater und Museen. Für diese besorgte sie historische Tageskleider, Abendgarderobe, Mäntel oder Jacken.
Ein Glanzstück der Sammlung ist der golden schimmernde Abendmantel mit Schalkragen und einem Muster aus Sommerblumen, der gestern präsentiert wurde. Er ist aus einem Doppelgewebe hergestellt und hat ein Futter aus feinem Strick mit Flor. Zu den Neuerwerbungen zählen aber auch ein originales Charleston-Kleid mit silberner Perlstickerei aus den 1920er- und eine bunt geblümte Jacke aus den 1930er-Jahren.
Die "neue" Frau ohne Rüschen
Die zweite neue Sammlung im tim stammt aus Beständen der Augsburgerin Elinor Döring, die früher in der Textilbranche tätig war. Das Museum erwarb 19 Perlenhandtaschen aus der Zeit zwischen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem 20. Jahrhundert.
Stolz auf die exquisiten Exponate ist Museumsleiter Karl Borromäus Murr. Historisch fallen die beiden Sammlungen in eine Zeit, als sich nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs ein Umbruch in der gesellschaftlichen Stellung der Frau anbahnte - und damit auch in der Mode. Die "neue" Frau befreite sich von Korsett, Reifröcken und Rüschen. Sie trug Bubikopf und eine sportlich schlanke Linie. Laut Murr wurde damit das weibliche Schönheitsideal der Moderne geschaffen, das bis heute Bestand hat.
Murr sagt aber auch, wie Neuerwerbungen im Museum überhaupt möglich werden: "Der Förderkreis unterstützt uns beim Ankauf von Exponaten, die wir sonst nicht finanzieren könnten." Einnahmen aus dem Museumsshop fließen voll ans tim zurück.
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