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10. November 2009 07:25 Uhr

Universität Augsburg

Überfüllte Hörsäle schaffen Probleme

Durch einen Massenandrang bei Juristen und Sozialwissenschaftlern kommt es an der Augsburger Uni zu überfüllten Hörsälen. Studentenvertreter schlagen Alarm. Die Dozenten sind entnervt. Von Eva Maria Knab

Überfüllte Hörsäle

Normalerweise sitzen Studenten in der Vorlesung und hören ihrem Professor zu. Anders an der Uni Augsburg. Dort ist der Ansturm von Studienanfängern heuer in einigen Fächern so groß, dass viele in die überfüllten Hörsäle nicht mehr hineinkommen. Studentenvertreter sprechen von "untragbaren Zuständen".

Besonders stark ist der Zulauf an der Uni bei den klassischen Juristen. Dort gibt es 35 Prozent mehr Erstsemester als im Vorjahr, wie die Studentenvertreter Tobias Wentzlau und Jessica Detemple vorrechnen. Noch krasser ist es beim Studiengang "Bachelor Sozialwissenschaften". Dort drängen sich 200 Prozent mehr Anfänger.

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Warum gerade diese beiden Studiengänge derart überlaufen sind? In beiden sei heuer die Zulassungsbeschränkung zum Studium weggefallen, sagt Wentzlau.

Der Alltag auf dem Campus läuft inzwischen so ab: Juristen stürmen schon die Räume, wenn noch die vorherige Vorlesung läuft. Sie versuchen, sich einen Platz für später zu sichern und stören dabei zwangsläufig den Unterricht. Wer keinen Platz mehr im Hörsaal ergattern kann, muss draußen vor der Türe stehen bleiben

Fast noch schlimmer läuft es beim Bachelor Sozialwissenschaften. "Die Leute stehen während der Vorlesung teilweise eineinhalb Stunden auf den Gängen, erzählt Detemple. "Man mag sich nicht vorstellen, wenn was passiert." Einfach heimgehen können die Sozialwissenschaftler auch nicht. Sie haben Anwesenheitspflicht im Hörsaal.

Zu viele Studenten, zu wenig Räume und auch das Lehrpersonal wächst nicht entsprechend mit: "Bei der zu bewältigenden Masse kommen wir nicht mehr zurecht", klagen die Studentenvertreter. Dass sie nicht übertreiben, bestätigen Professoren. "Ein Lehrbetrieb ist noch möglich, aber sehr schwierig geworden", sagt Prof. Werner Schneider, Prodekan an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Michaela Schmid, die dort das Mittelbaupersonal vertritt, geht noch weiter: "Die Qualität der Lehre leidet. Das Ministerium weiß es, aber es passiert nichts."

An der Uni versucht man, den am schlimmsten betroffenen Studenten Alternativen anzubieten. So sollen mehr Vorlesungen per Video auf-genommen und ins Internet gestellt werden. Empörend finden Studentenvertreter aber, dass diese teuren Angebote aus Studiengebühren finanziert werden sollen. "Studenten müssen sich ihre Teilnahme an der Vorlesung erkaufen", sagt De- temple. Dabei seien die Studiengebühren nicht dafür da, das vorhandene Angebot zu erhalten. Sie sollen vielmehr die Lehre verbessern.

In der Unileitung kennt man die Klagen. "Uns allen ist klar, wir haben ein Raumproblem", sagt Vizepräsident Alois Loidl. Man sei dran, neue Räume anzumieten und alte Gebäude aufzustocken. Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Auch beim neuen Lehrpersonal aus Mitteln des Freistaats will die Uni noch nachsteuern. "Die Stellen müssen den Studierenden folgen", kündigt Loidl Umverteilungen an.

Die Studentenvertretung geht unterdessen eine Etage höher, um die Bildungsmisere anzusprechen. "Wir haben einen Termin bei Wissenschaftsminister Heubisch", sagt Wentzlau. Er fürchtet, dass es an der Uni noch schlimmer wird. "Der doppelte Abiturjahrgang 2011 steht uns erst noch bevor."

(von Eva Maria Knab)

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