Montag, 20. November 2017

10. Februar 2012 12:02 Uhr

Projekt

Verhindert Bayerns Energiewende den vitalen Lech?

Die Lechallianz fürchtet, dass Pläne für eine Renaturierung des Flusses im Stadtwald dem verstärkten Ausbau der Wasserkraft zum Opfer fallen. Vorstoß beim Umweltminister Von Eva Maria Knab

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Der Wunsch nach einem „freien Lech“ steht dem nach dem Bau weiterer Wasserkraftwerke entgegen. Naturschützern macht die Forderung des Freistaats nach einer Energiewende Sorgen.
Foto: Anton Schlickenrieder

Eberhard Pfeuffer vom Naturwissenschaftlichen Verein traute seinen Augen nicht. Neulich besuchte er einen Vortrag über den ökologischen Ausbau der Wasserkraft. Dort sah er auf einer Folie aus dem bayerischen Umweltministerium ausgerechnet die Stelle am Lech im Stadtwald, an der der Energiekonzern Eon sein neues Kraftwerk bauen will – gegen große Widerstände in der Bevölkerung und entgegen einer Resolution des Stadtrates. „Das kann nicht sein, dass ausgerechnet eines der umstrittensten Projekte in Bayern als Beispiel für den ökologischen Ausbau von Wasserkraft dienen soll“, sagt Pfeuffer.

Nicht nur bei ihm klingeln momentan die Alarmglocken. Der jüngste Wechsel an der Spitze des Umweltministeriums, die neue Energiewende des Freistaates mit einem verstärkten Ausbau der Wasserkraft – all das sorgt bei der Augsburger Lechallianz von Bürgern und Verbänden für große Unruhe. Schon seit Jahren kämpft die Bewegung dafür, dass der Freistaat den Lech im Naturschutzgebiet „Augsburger Stadtwald“ natürlicher ausbaut. Vorbilder sind die Augsburger Wertach, die Salzach oder die Isar in München.

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Das geplante Kraftwerk von Eon am Lech – nicht zu verwechseln mit der neuen Anlage der Stadtwerke am Hochablass – würde den Plänen für den „freien Lech“ entgegenstehen. Eine vorhandene Stauschwelle im Fluss müsste stehen bleiben. Andererseits könnte das neue Kraftwerk Strom für fast 8000 Haushalte liefern. „Die Verunsicherung bei uns ist groß, dass die ökologischen Belange mit der Energiewende zu kurz kommen“, sagt Günther Groß von der Lechallianz. Er sorgt sich wegen der aufgeschlossenen Haltung des neuen Umweltministers Marcel Huber (CSU) gegenüber dem Ausbau der Wasserkraft. Diese hatte Huber im Zusammenhang mit der Energiewende immer wieder öffentlich vertreten.

„Noch keine Vorfestlegung beim Freistaat“

Droht mit dem neuen Kurs der Staatsregierung den Plänen für einen „freien Lech“ das Aus? Kommt stattdessen ein neues Kraftwerk mitten in Augsburgs wertvollstem Naturschutzgebiet? Eine AZ-Nachfrage im Umweltministerium ergibt: Der Freistaat hat noch keine Position zu der umstrittenen Schwelle im Lech. Das sagt Klaus Arzet, Experte für den ökologischen Ausbau von Wasserkraft. „Eine Vorfestlegung gibt es nicht.“ Der städtische Umweltreferent Rainer Schaal betont ebenfalls: „Ich habe sehr genau hingeschaut. Im bayerischen Energiekonzept steht der Hochablass drin, aber nicht die Schwelle im Stadtwald.“ Andererseits verweist man im Umweltministerium auf den gesetzlichen Auftrag, an bestehenden Querbauwerken zu prüfen, ob sie für Wasserkraftwerke genutzt werden können. Ziel der Staatsregierung sei auch, den Anteil der Wasserkraft an der Stromgewinnung von 15 auf 17 Prozent zu erhöhen.

Unterdessen geht der Kampf um einen natürlicheren Ausbau des Lechs im Stadtwald weiter. Diesen müsste der Freistaat planen und finanzieren. Die Lechallianz hatte schon dem früheren Umweltminister Markus Söder zehntausend Unterschriften von Bürgern übergeben, die sich für einen Umbau des Flusses aussprechen. Jetzt will man auch bei Marcel Huber für das Anliegen werben. Der Minister wurde eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen.

„Der Lech ist von allen dealpinen Flüssen Bayerns am dichtesten verbaut“, heißt es in einem Brief an Huber. Nur im Stadtwald dürfe er noch relativ frei fließen. „Diese Flussstrecke ist wegen allerletzter Auenreste von landesweiter Bedeutung“, argumentiert die Lechallianz. Sie wünscht sich eine umfassende Renaturierung, um die biologische Vielfalt im Schutzgebiet zu bewahren beziehungsweise wiederherzustellen. Auch Umweltreferent Rainer Schaal will vom neuen Minister wissen, was Sache ist. Anfang März ist ein Treffen mit Huber geplant. Auskunft erhofft Schaal darüber, wann der Freistaat die seit langem erwarteten Ergebnisse einer neuen Studie der TU München zum Lech vorstellen wird. Die Untersuchung gilt als Grundlage für weitere Diskussionen, ob und wie der Fluss zwischen der Staustufe 23 und dem Hochablass vitaler gestaltet werden kann. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Freistaat dazu bis 2014 eine Planung vorlegt“, sagt Schaal.

Zwei Bauanträge von Energieerzeugern

Zwar hat sich auch der Stadtrat in einer Resolution für einen naturnahen Ausbau des Lechs im Stadtwald ausgesprochen. Andererseits ist der Druck der Energiewirtschaft groß, die weitere Anlagen bauen will. Der Stadt liegen zwei Anträge für neue Kraftwerke im Stadtwald vor, über die entschieden werden muss. Der Antrag eines österreichischen Unternehmens werde voraussichtlich in den nächsten Wochen abgelehnt, sagt Schaal.

Beim Antrag von Eon gebe es momentan unterschiedliche Auffassungen, welchen Umfang eine Umweltverträglichkeitsstudie zu dem Projekt haben muss. Der strittige Fall liegt laut Schaal momentan zur Beurteilung bei der Regierung von Schwaben.

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