Sonntag, 20. August 2017

12. Mai 2017 00:37 Uhr

Interview

Was Vertriebene und Aussiedler heute beschäftigt

Zum 60. Jubiläum des Bundes der Vertriebenen spricht Vorsitzender Juri Heiser von den aktuellen Herausforderungen

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Herr Heiser, Sie sind Vorsitzender des Bunds für Vertriebene. Wer genau fällt unter den Begriff des Vertriebenen?

Unter den Vertriebenen sind laut Gesetzgebung all die gemeint, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Ostgebieten fliehen mussten oder vertrieben wurden. Also unter anderem Sudetendeutsche, Schlesier, Ost-und Westpreußen und Donauschwaben. Daneben vertreten wir auch Aussiedler und Spätaussiedler, wie Russlanddeutsche und die Deutschen aus Rumänien, die zwischen 1960 bis 2005 nach Deutschland kamen. Heute noch kommen jährlich in etwa 5000 Russlanddeutsche ins Land.

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Welche Aufgabe hat der Bund heute?

Die Vertriebenen und Aussiedler haben ein ähnliches Schicksal. Sie wurden pauschal zum Feind und Spion erklärt. Wir wollen ein friedliches Miteinander schaffen und bewahren. Unsere Aufgabe ist es zudem, die kulturelle Identität der Gruppen zu bewahren und für die Zukunft zu erhalten. In Form von wissenschaftlicher Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Siedler im Osteuropäischen Bereich, Museums, Denkmälern, Dokumentationen aber auch regelmäßigen Veranstaltungen.

Wissen Sie, wie viele Vertriebene und Aussiedler heute in Augsburg leben?

Was mir an Zahlen vorliegt, noch von 2011 allerdings, ist, dass hier ungefähr 23000 Russlanddeutsche, 6000 Siebenbürger und genauso viele Banater Schwaben wohnen. Die größte Gruppe bilden aber wohl die Sudetendeutschen; sie sprechen selbst davon, dass bis zu einem Drittel der knapp 300000 Augsburger sudetendeutsche Wurzeln haben. Ost- und Westpreußen haben wir eher weniger. Dafür viele Schlesier.

Vor welchen Aufgaben steht der Bund der Vertriebenen denn heutzutage besonders?

Die Eingliederung in die Gesellschaft stellt inzwischen kaum noch ein Thema dar. Auch bei den Deutschen aus Russland ist dieser Prozess nahezu abgeschlossen, da die meisten Vertriebenen und Aussiedler die deutsche Sprache ja beherrschen und zum gleichen Kulturkreis gehören. Daher bin ich überzeugt, dass wir im Alltag längst zur Gesellschaft gehören. Heute gilt es vor allem, dass wir auf der anderen Seite unsere kulturelle Identität bewahren. In den vergangenen Jahrzehnten wurde es leider auch versäumt, die Jugendlichen zu erreichen. Das ist eine große Herausforderung. Vor allem weil das Thema der deutschen Siedler im Osten und Südosten Europas im Geschichtsunterricht in den Schulen meines Wissens nach nicht behandelt wird. Warum sollen die jungen Generationen nicht über die Siedlungen im Osten erfahren? Ihr kultureller und wirtschaftlicher Beitrag zur Entwicklung der Länder war enorm.

Befasst sich der Bund der Vertriebenen auch mit der aktuellen Flüchtlingssituation?

Das ist natürlich ein Thema, das auch bei uns im Verband intensiv behandelt und diskutiert wird. Wir können die Lage ja bestens nachempfinden. Ich, ganz persönlich, sehe, dass ganz klar Hilfe geleistet werden muss. Aber: Eine unkontrollierte Zuwanderung, die Tore einfach öffnen, das überfordert die Gesellschaft. Daher, als erster Schritt, ist eine Hilfe vor Ort am wichtigsten – auch wirtschaftlich. Und der militärische Konflikt muss eingedämmt werden. Da könnten die westlichen Länder noch viel tun. Kriegsflüchtlinge müssen aber auf jeden Fall Hilfe bekommen.

Sie feiern das 60. Jubiläum. Welche Ziele für die Zukunft setzen Sie?

Wir wollen vor allem versuchen, die eigene Identität zu bewahren. Und, wie gesagt, wir haben lange Zeit versäumt, der Jugend unsere Kultur beizubringen. Dieser kulturelle Beitrag ist für ganz Deutschland wichtig, weil wir eine lange Geschichte einbringen können. Das bereichert alle.

Interview: Alexander Rupflin

des Bunds der Vertriebenen (BdV) feiert am heutigen Freitag 12. Mai sein 60-jähriges Jubiläum im Pfarrsaal der Kirche „Unsere Lieb Frau“ in der Blücherstraße 61.

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