Es geht ihr wieder richtig gut. Das spürt man sogleich bei der Begegnung mit Juliane Votteler, die in sehr aufgeräumter Stimmung und mit großem Tatendrang über die Entwicklungen am Augsburger Theater spricht. Die Intendantin berichtet nachdenklich von ihrer zurückliegenden Erkrankung und blickt frohgemut in die kommende Saison. Der kürzlich begonnene Bau für die neue Schauspielbühne und die Finanzhilfen des Freistaats für die Generalsanierung des Theaters hätten nach großer Verunsicherung und Enttäuschung eine „wahnsinnig gute Stimmung“ am Theater bewirkt. „Nach einer langen Flaute spüren wir den Wind in den Segeln“, schaut sie für sich und die 350 Mitarbeiter optimistisch nach vorn. Das Gespräch mit Juliane Votteler führten wir in ihrem Büro im Theater.
Um diese Themen ging es:
Die Gesundheit: Die Intendantin war seit Mai ernsthaft krank und kehrte nach einer längeren Kur jetzt genesen an ihren Arbeitsplatz zurück. „Ich hab’ mich nicht genug geschützt, hab’ Raubbau betrieben“, sagt sie über eine nicht auskurierte Lungenentzündung. Das Hin und Her und die Unwägbarkeiten um die zweite Spielstätte hätten sie sehr gestresst in einer Phase, als sie gesundheitlich bereits stark angeschlagen gewesen sei. Eine wichtige Lektion habe sie gelernt: „Man muss besser auf sich aufpassen!“ Jetzt sei sie sehr glücklich, wieder am Theater und bei den Menschen dort zu sein. Sie bedankt sich bei allen, die in ihrer Abwesenheit die Flagge hochgehalten haben.
Die Stimmung am Theater: Sie war sehr getrübt in den zurückliegenden Monaten. Seit der Schließung der Komödie hat das Schauspiel keine eigene Bühne mehr. Bei den Plänen für die Ersatzbühne in einem sogenannten „Container“ gab es viele Rückschläge, die an den Nerven der Intendantin und des gesamten Ensembles zerrten. Das ist Vergangenheit. Hinter dem Großen Haus wird gerade der Neubau dieser Schauspielbox vorbereitet. Das stimmt die Theatermacher froh. „Wir könnten den ganzen Tag an der Baustelle stehen und zuschauen, wie es vorwärtsgeht“, freut sich Votteler. Nun herrsche endlich wieder Aufbruchstimmung am Theater.
Das Theater und die Stadtregierung: Aufbruchstimmung spürt die Intendantin nicht nur am Theater, sondern in der ganzen Stadt. Die Stadtregierung habe viele Projekte zum Laufen gebracht, zum Beispiel den riesigen Umbau des Königsplatzes. Auch das Theater sei von der Augsburger Politik sehr unterstützt worden. Oberbürgermeister Kurt Gribl und Kulturreferent Peter Grab hätten sich „richtig dahintergeklemmt und nicht mehr lockergelassen“. Votteler verlässt sich auf die Zusage der Stadt, der Container sei ab Mai 2012 bespielbar. Eröffnet wird die zweite Spielstätte dann mit den Bayerischen Theatertagen.
Das Theater und die Staatsregierung: Massive Unterstützung sei aus München gekommen. Die Nachricht von Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer, der Freistaat werde 45 Prozent der Kosten für die Generalsanierung übernehmen, habe großen Optimismus ausgelöst. Normal wären 36 Prozent. Die Sanierung könnte bis zu 100 Millionen Euro verschlingen. Votteler: „Es ist toll, dass die Staatsregierung uns so unterstützt.“ Es habe sich ausgezahlt, dass Gribl, Grab und Kämmerer Hermann Weber gemeinsam in München vorstellig geworden sind. Die Intendantin glaubt aber auch, die Qualität des Theaters habe die Hilfe aus München befördert. Dass hier eine gute Arbeit gemacht werde, habe sie mit eigenen Ohren aus dem Munde von Kunstminister Wolfgang Heubisch gehört.
Die Auslastung in der zurückliegenden Saison: Mangels geeigneter Bühnen konnten weniger Stücke aufgeführt werden. Damit erklärt sich Votteler den Besucherrückgang. „Wenn man weniger spielt, hat man weniger Zuschauer.“ Die Auslastung sei gleichwohl gut gewesen. Improvisierte Spielstätten wie in der Dierig-Halle in Pfersee hätten von Schauspielern und Besuchern viel abverlangt. Unter den gegebenen Umständen ist die Intendantin froh, „dass uns nicht viele Abonnenten weggelaufen sind“.
Die Ersatzspielstätten in der kommenden Saison: Gespielt wird im Textilmuseum (tim) und im Saal des Alten Justizpalastes gegenüber dem Theater. Bis zur Eröffnung der zweiten Spielstätte im Container sei dies eine vertretbare Lösung.
Vottelers wichtigste Botschaft an ihre Mitarbeiter: Als sie jetzt nach ihrer Krankheit zurückkam und sich mehr als 300 Kolleginnen und Kollegen im Großen Haus versammelten, lag ihr dieses Anliegen besonders am Herzen: „Achten Sie auf sich selbst und lassen Sie uns die Kunst schützen!“ Die Intendantin freut sich, wieder das Künstlerische in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen zu können, nachdem das Schauspielhaus und die Generalsanierung auf den Weg gebracht worden sind.