Wie es die Direktorin des Augsburger Zoos, Barbara Jantschke, schafft, trotz immer weniger Zuschuss, immer zu Neues bieten. Und die kleinen Buschbabys zahm werden.



„Schau mal, sind die süß“. Solche Bemerkungen hört man oft, wenn Besucher gemütlich durch den Zoo schlendern und Tiere aus aller Welt anschauen. Zoo-Direktorin Barbara Jantschke hat mit der anderen Seite des Geschäfts zu tun. Die städtische GmbH zu führen, ist eine harte Aufgabe. Besonders, wenn nur wenig Geld da ist, und immer neue Attraktionen für ein anspruchsvolles Publikum gefragt sind. Ein Höhepunkt soll der 75. Geburtstag des Zoos im kommenden Jahr werden. Die Vorbereitungen laufen jetzt an.
Jubiläum Am Wochenende um den 16. Juni 2012 steigt das große Geburtstagsfest. „Am Freitag davor planen wir eine Jubiläumsnacht mit einem besonderen Programm, damit Besucher in den Geburtstag hineinfeiern können“, sagt Jantschke. Am Samstag wird der Grundstein für die neue Watvogelanlage gelegt und am Sonntag ist Familientag. Alle Besucher über 75 Jahre haben freien Eintritt. Auch ein Empfang der Stadt ist geplant.
Mitmachprojekt Zum Jubiläum wird die Stadtsparkasse ihren Jahreskalender 2012 als Zoo-Kalender herausbringen. Im Vorfeld sind die besten Tierbilder gesucht. „Jeder kann mitmachen und bis Ende April seine besten Fotos an uns einschicken“, sagt Jantschke. Ein Gremium wird zwölf Bilder plus Titelbild auswählen. Den Gewinnern winken Ehrenkarten. Damit hat man ein Jahr lang freien Eintritt mit jeweils bis zu fünf Personen. „Mit solchen Karten sind wir sonst sehr sparsam“, sagt die Zoochefin.
Zoobuch Geplant ist weiter ein Zoobuch mit Tierporträts und „Ausbruchsgeschichten“, zusammen mit dem Wißner-Verlag. Ganz bestimmt drinstehen wird die Geschichte vom Wettrüsten des Zoos gegen Ausbrüche der Paviane aus ihrem Gehege. Vor einigen Jahren schafften es die Affen bis zum Futterwagen, der in der Nähe haltmachte. Als der Tierpfleger kurz weg war, plünderten sie prompt den Vorrat. „Es müssen ein paar Jahre ins Land gehen, damit man solche Geschichten entspannt erzählen kann“, sagt Jantschke.
Ausstellung Geplant ist eine Ausstellung über die Geschichte des Zoos. Dafür sucht Jantschke noch private Fotos von Besuchern aus den Jahren 1937 bis 2002. Bis Ende Juli können Aufnahmen von Familienausflügen, Gehegen etc. eingeschickt werden.
Großprojekt verschoben Nach ersten Plänen sollte die begehbare Vogelvoliere für eine Million Euro zum Jubiläum 2012 fertig sein. Momentan fehlt dem Zoo aber das Geld. „Unsere Eigenmittel haben wir mit der neuen Nashornanlage komplett aufgebraucht, und die Stadt hat wegen klammer Kassen für 2011 abgewunken“, sagt Jantschke. Bis zum nächsten Jahr will sie versuchen, 500.000 Euro im Zoo zu erwirtschaften. Dann will sie auch die Stadt noch einmal um einen Beitrag für die neue Anlage bitten.
Zoofinanzierung Der Zoo bekommt als Kultureinrichtung pro Jahr einen Betriebskostenzuschuss von 970000 Euro von der Stadt. Dieser Zuschuss sei in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen und noch nie so niedrig wie heute gewesen, rechnet die Direktorin vor. Dabei liegen allein die Personalkosten für rund 50 Mitarbeiter bei rund zwei Millionen Euro. Futter, Energiekosten und Instandhaltung noch nicht mitgerechnet. „Die Schere geht immer weiter auseinander“, sagt Jantschke.
Besucher Vergangenes Jahr kamen 570.000 Besucher. Immer wieder werden die hohen Eintrittspreise kritisiert. Zum 1. März stiegen sie noch einmal von acht auf neun Euro für Erwachsene und von vier auf 4,50 Euro für Kinder. „Besucher sind unsere Haupteinnahmequelle“ erklärt Jantschke, warum sie den Eintritt nicht günstiger machen kann. Sie verweist auf preisgünstige Angebote wie Jahreskarten, Familiensparkarten und die Familientage im Zoo. Ihr Tipp: Am Karfreitag kommen. So kann man an einem Feiertag beim Eintritt Geld sparen.
Eisbär Knut Kritik gab es an der Haltung von Eisbär Knut, der kürzlich im Berliner Zoo starb. Die Augsburger Zoodirektorin mag dazu gar nichts sagen. „Ich kann von außen nicht beurteilen, wie das mit Knut gelaufen ist.“
Giraffenzucht Im Internet kursierten zuletzt auch Vorwürfe, der Zoo Augsburg betreibe Inzucht bei den Giraffen. Sie seien zudem nicht reinrassig. Jantschke weist diese Spekulationen zurück. „Die Söhne und Töchter von Marvin werden immer abgegeben.“ Nach den vorliegenden Informationen vom Europäischen Zuchtbuch für Rothschild-Giraffen geht sie auch davon aus, dass die Augsburger Tiere „reinrassig“ sind.
Projekte Da gibt es Vieles. Geplant ist der Bau eines neuen Reptilienhauses durch die Zoofreunde. Noch in diesem Monat wird zusammen mit dem Landschaftspflegeverband ein neuer Schauteich mit heimischen Fröschen und anderen Amphibien eröffnet. Voraussichtlich nach Ostern geht das Gehege für Kapuziner-Affen in Betrieb.
Freude an Tieren Kann man sich nach langen Arbeitstagen als Zoomanagerin überhaupt noch für Tiere begeistern? Jantschke, die sehr streng schauen kann, strahlt bei dieser Frage übers ganze Gesicht. Momentan verbringt sie jeden Mittag eine Stunde im Nachttiergehege bei den Buschbabys. Ihr Ziel ist, die scheuen kleinen Tiere ausnahmsweise so zahm zu machen, dass Besucher Körperkontakt zu ihnen aufnehmen können. Dieses Experiment macht ihr richtig Spaß. Jantschke: „Sie sitzen schon auf mir.“
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