Mittwoch, 20. September 2017

20. Dezember 2016 05:45 Uhr

Augsburg

Zu wenig Wasser: Der Patient Stadtwald

Viele Bäche im Stadtwald fließen nicht naturnah. Im Wald kommt zu wenig Wasser an. Jetzt läuft ein Versuch für ein großes Bewässerungsprojekt. Von Eva Maria Knab

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Forstamtsleiter Jürgen Kirchner und seine Stellvertreterin Eva Ritter begutachten den Umbau des Alten Floßgrabens.
Foto: Peter Fastl

Welcher Unterschied: Normalerweise fließt der Alte Floßgraben schmal und schnurgerade durch den Stadtwald. Für Fische muss die Unterwasserwelt wie tot wirken. Plötzlich sieht der Bach viel lebendiger aus. Auf ein paar Metern ist sein Bett breiter. Die Ufer sind kiesig. Baumwurzeln im Wasser sorgen für Unterschlupf. In diesem Lebensraum fühlt sich die Mühlkoppe wohl. Sie ist eine der heimischen Fischarten, die selten geworden sind. Nun soll sie von einem Versuch im Stadtwald profitieren.

Aktuell läuft ein Test. Die Stadt hat in den vergangenen Wochen zwei der vielen Stadtwaldbäche in einem kleinen Abschnitt naturnah umgestaltet: Den alten Floßgraben südlich des Krankenhauses in Haunstetten und den Brunnenbach beim alten Forsthaus in Siebenbrunn. Vorerst sind es nur etwa 200 Meter im großen, weit verzweigten System der Stadtwaldbäche. Sie sind insgesamt mehr als 70 Kilometer lang.

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Die vielen kleinen Bäche sind wichtig. Günther Groß von der Lechallianz heimischer Umweltverbände bezeichnet sie als einen der prägenden Lebensräume im Stadtwald – neben den Lechheiden und den lichten Kiefernwäldern. Deshalb hat jetzt auch der Test mit dem Umbau am Floßgraben und Brunnenbach so große Bedeutung. Bislang kostete er 3000 Euro. Weitere größere Schritte sollen folgen.

Schützenswerte Arten profitieren

Die Stadt arbeitet derzeit am Entwurf eines Managementplans mit. Viele schützenswerte Arten sollen davon profitieren. Hintergrund des Plans sind verschiedene rechtliche Vorgaben, etwa die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Sie erfordert auch Verbesserungen an den Stadtwaldbächen. Wie Augsburgs Forstamtsleiter Jürgen Kircher erläutert, müssen die Bäche so gestaltet werden, dass es keine unüberwindlichen Hindernisse mehr für Fische und andere Wasserlebewesen gibt. „Sie müssen ökologisch durchgängig sein“, sagt er. Momentan gibt es noch 31 Sohlschwellen und 38 Rohrdurchlässe.

Zwar sind Verbesserungen für die Natur geplant. Aber es gibt ein Problem: Der Stadtwald ist nicht nur Naturschutzgebiet, sondern auch Trinkwasserschutzgebiet. Und der Schutz fürs Trinkwasser dürfe nicht gefährdet werden, sagt Jürgen Kircher. „Das macht Eingriffe komplizierter.“ Bei der Stadt kümmert sich inzwischen eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe um die Stadtwaldbäche. Die Federführung liegt beim Referat für Finanzen, Wirtschaft und Forsten. Großes Ziel ist, dass die Bäche wieder dynamischer fließen. Künftig sollen sie auch besser an den Lech angebunden werden.

Nicht nur den Fischen geht es besser

Auf der neuen Teststrecke finden nicht nur Mühlkoppen einen guten Lebensraum, in dem sie sich vermehren können. Auch typische Auwaldbäume wie Schwarzerlen profitieren: Sie werden über die neu modellierten Bachufer besser mit Wasser versorgt. „Wir schauen auf kleiner Distanz, ob das funktioniert“, sagt Kircher. Unter anderem soll es eine Fischzählung geben. Verläuft der Test erfolgreich, werden weitere Abschnitte umgestaltet, so der Plan. Diese neuen Überlebensinseln sollen dann weit hinein in das Bachsystem ausstrahlen.

Auch ein nächster Schritt ist angedacht. Der Patient Stadtwald, der unter chronischem Wassermangel leidet, soll sozusagen an den Tropf. Die Idee sei, einige Bäche im großen System stärker mit Wasser zu versorgen, so Kircher. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Lochbach zu. Denn er speist die Stadtwaldbäche mit Lechwasser.

Aber auch in diesem Fall gibt es ein Problem: Ein großer Teil des Lochbachs gilt als sanierungsbedürftig. Er müsste auf der rund 3,3 Kilometer langen Strecke zwischen der Ausleitung an der Lechstaustufe 22 und der Straße zwischen Mering und Königsbrunn ertüchtigt werden, damit er mehr Wasser aufnehmen kann. Kircher zufolge kann der Lochbach aber nicht kurzfristig saniert werden. Das Landratsamt Aichach-Friedberg fordere dafür ein wasserrechtliches Verfahren.

Wie geht es weiter? Bei der Lechallianz spricht man von großen Hausaufgaben, die von der Stadt Augsburg an den Stadtwaldbächen zu erfüllen sind. Dafür ist wohl auch viel Geld nötig. Aus Sicht der Naturschützer wären Fördermittel aus dem europäischen Life-Programm gut. Darum solle sich die Stadt bemühen. Der Fördersatz liege bei 60 Prozent, rechnet Günther Groß vor. „Weitere 30 Prozent könnte der Freistaat zuschießen.“

Kircher sagt, dass erst ein stadtintern abgestimmtes Konzept stehen muss. Beteiligt sind mehrere Partner. Erst danach könne die Stadt Kontakt mit dem bayerischen Umweltministerium aufnehmen und nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Denkbar sei nicht nur ein Life-Projekt. Auch eine Finanzierung über ökologische Ausgleichsmaßnahmen für bauliche Eingriffe in die Natur soll geprüft werden.

Was das Projekt bringt? Mehr Wasser wäre nicht nur für den Stadtwald, seine Tiere und Pflanzen ein großer Fortschritt. Bei der Lechallianz geht man auch davon aus, dass der Nutzen für Mensch und Natur in Augsburg noch viel größer wäre. Denn der Stadtwald steht in Verbindung mit dem Lech. Der Freistaat plant derzeit einen naturnaheren Ausbau des Flusses. Die Stadt könne auch bei der Unesco-Welterbe-Bewerbung zum Thema Wasser profitieren, so Groß: „Das wäre eine klassische Win-win-Situation.“

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