Ali und Lotty wären sich niemals begegnet, wenn nicht ein Armeeadmiral sie zusammengebracht hätte, dessen Tochter bei einem palästinensischen Selbstmordattentat in Tel Aviv getötet wurde. Denn Ali ist Palästinenser, er wohnt in Hebron, scharf kontrolliert von Sicherheitskräften der Israelis, die jüdische Siedler im Stadtkern beschützen. Lotty ist Israelin, sie wohnt in Netanya, die 1937 gegründete jüdische Einwandererstadt am Mittelmeer.
Mit Lotty und Ali lernen zwölf junge Menschen aus Deutschland das konfliktbeladene Land auf beiden Seiten kennen. Johannes Gulde und Stefanie Landgraf haben aus dem Projekt einen Film gemacht, der als Veranstaltung von Pax Christi als gut besuchte Matinee im Thalia lief. Den Titel „Wir weigern uns, Feinde zu sein“ übernahmen sie von dem palästinensischen Friedensaktivisten Daoud Nassar, der in seinem „Zelt der Nationen“ dem Landraub der Besatzer widersteht.
Die Jugendlichen zwischen 16 und 22 aus München und Münster lernen zwei Sichtweisen auf dieselbe Realität kennen. Auf ihrer Fahrt setzen sie Mosaiksteine zusammen, die am Ende noch immer kein vollständiges Bild ergeben, aber einen Eindruck, wie kompliziert die Verhältnisse sind. Warum müssen sich 400 jüdische Siedler in eine alte arabische Stadt hineindrängen? Warum rodet die israelische Armee alte Olivenbäume? Warum müssen Palästinenser ein Drittel des Tages mit Warten an Checkpoints verbringen?
Der Film beschreibt ungerechte Zustände, ist aber selbst nicht ungerecht. Die Autoren folgen einem ungewöhnlichen Unterrichtsbuch, das beide Sichtweisen in zwei Spalten auflistet, ohne zu entscheiden, wer recht hat. Damit überhaupt die andere Sicht zur Kenntnis genommen wird. Die Kinobesucher sind beeindruckt und kommentieren während der Vorführung laufend die Situationen.
Johannes Gulde und Stefanie Landgraf enthielten sich bewusst der Extreme. Dicht an der Wahrnehmung der Jugendlichen haben sie gedreht. Immerhin merkten sie, dass Israelis nie in die besetzten Gebiete fahren, und Palästinenser sich unheimlich schwertun, ein Visum für Israel zu bekommen.