Der Blick aus dem 34. Stock des Dorint-Hotels lässt keine Weitsicht zu. Wolken, überall Wolken. Aber die Gesichter der Organisatoren der Sprint-WM im Wildwasser-Rennsport (11. bis 13. Juni) verraten am Mittwoch, dass Karl Heinz Englet und Horst Woppowa von den Kanu Schwaben das schlechte Wetter geradezu herbeigesehnt haben. „Endlich Regen!“ Englet eröffnet mit strahlender Miene die Pressekonferenz, denn nach langer Durststrecke und Niedrigwasser im Lech ist gesichert, dass die Wildwasserkanuten an Pfingsten gute Bedingungen vorfinden werden.
„Wir können relativ entspannt den Wettkämpfen entgegensehen“, bestätigt Peter Haller vom städtischen Tiefbauamt und verkündet: „Der Eiskanal ist geflutet.“ Das wird nach Meinung von Bundestrainer Günter Schröter (Oberstdorf) bei seinen Sportlern für zusätzliche Glücksgefühle sorgen. „Sie können einige zusätzliche Trainingsrunden ziehen.“
Sabine Füßer (36) beginnt ihre WM-Vorbereitung am Samstag. Für die Siegburgerin, die seit dieser Saison für die Kanu Schwaben startet, ist der Eiskanal ein bekanntes Paddelrevier. „Ich bin 1997 zum ersten Mal hier gefahren.“ Die Angestellte in einer Druckfarbenfabrik hat über 20 internationale Medaillen gewonnen, nur WM-Gold fehlt noch in der Sammlung. „Wenn die Tagesform stimmt, könnte es klappen. Um erfolgreich zu sein, benötigt man aber auch Glück, weil das pulsierende Wasser im Kanal unberechenbar ist.“
Schwaben-Abteilungsleiter Horst Woppowa glaubt, dass sein Verein bei diesen Titelkämpfen einen besonderen Glanzpunkt setzen kann. „Unsere Sportler haben bisher 97 WM-Medaillen gewonnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Marke 100 knacken.“ Zu den aussichtsreichsten Paddlern aus 18 Nationen – Meldeschluss ist erst am heutigen Freitag – gehört Normen Weber. Der Canadierfahrer der Kanu Schwaben gewann bei den Europameisterschaften zweimal einen kompletten Medaillensatz, muss aber die WM-Vorbereitung mit der Bundeswehr in München koordinieren. „Am Vormittag hatte ich eine Prüfung an der Uni, am Nachmittag muss ich noch einen Sechs-Kilometer-Marsch samt 15 Kilogramm Gepäck absolvieren“, verrät er am Mittwoch. Doch Weber ist gut organisiert und hat nach den Erfolgen Selbstvertrauen. „Aber im Sprint muss alles passen, weil man keine Zeit hat, Fehler auszubügeln.“
Die Zuschauer am Eiskanal werden dank einer eigens installierten Videowand jede Fahrt komplett verfolgen können. Karl Heinz Englet dankt seinen Sponsoren mit Hauptgeldgeber Müller-Milch. „Wir werden mit kleinem Budget Außergewöhnliches bieten.“ Davon ist auch Bürgermeister Peter Grab überzeugt. „Die WM wird ein Highlight.“