Torhüterin Sabrina Müller hat bei den Haunstetter Handballerinnen schon einiges erlebt, seit sie dort in der Jugend zu spielen begonnen hat. Eine Dopingkontrolle wie am Samstag, als zwei ihrer Teamkolleginnen nach der 22:33-Niederlage gegen den TV Nellingen ausgewählt wurden, war allerdings noch nie dabei. „Das ist schon krass“, war die 30-Jährige ebenso überrascht vom Auftauchen der vier Kontrolleurinnen der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) wie alle anderen in der Haunstetter Albert-Loderer-Halle – Mannschaft, Trainer, Betreuer und die rund 400 Fans.
„Auf der Bundesliga-Tagung wurden uns Dopingkontrollen angekündigt, aber wir haben das eigentlich nur theoretisch für möglich gehalten“, gestand Co-Trainer Herbert Horner, „es handelt sich ja um Amateure in einem Mannschaftssport.“ Dass in der zweithöchsten deutschen Liga aber strengere Regeln herrschen und ein anderer Wind weht, erlebten die Haunstetterinnen an diesem Abend aber nicht nur anhand der Doping-Kontrolle. Sportlich trug auch der TV Nellingen sein Scherflein dazu bei. „Eine starke Mannschaft, die dazu noch einen ganz starken Tag erwischt hat“, zollte Horner den Gegnerinnen Respekt, „sie waren uns athletisch überlegen. Hier hat sich die alte Weisheit gezeigt: Wenn man die Zweikämpfe verliert, verliert man auch das Spiel.“
Dass sie keinen Millimeter zurückstecken würden, machten die Gäste schon in der von beiden Seiten temperamentvoll geführten Anfangsphase deutlich. Begünstigt durch individuelle Abspielfehler der Haunstetterinnen ging Nellingen mit 9:6 in Führung. Durch zwei präzise verwandelte Siebenmeter von Annika Schmid und einen im Fallen gerade noch ins Tor gedrückten Treffer von Patricia Horner erkämpfte sich Haunstetten aber den verdienten und frenetisch bejubelten 9:9-Ausgleich (17. Minute). Die Fans versuchten auch weiterhin, den Haunstetterinnen so lautstark wie möglich den Rücken zu stärken. Trotzdem lief bei diesen nicht mehr viel zusammen. In der Offensive scheiterten sie mit unpräzisen Würfen, hinten standen die Torfrauen Sabrina Müller und Barbara Wengenmeir bei den dynamischen Angriffswellen der kompakten und technisch versierten Nellingerinnen oftmals auf verlorenem Posten. Auch nach der Pause (11:17) vergrößerte sich der Haunstetter Rückstand stetig Tor um Tor – bis das 22:33 feststand.
„Es war schwierig. Irgendwann reicht gegen eine solch starke Mannschaft auch die Kraft nicht mehr aus“, stellte Sabrina Müller danach fest. Trotz der dritten Niederlage in Folge zog sie für sich und ihre Mannschaft das Positive heraus. „Wir hatten jetzt drei harte Gegner, die in der Tabelle oben mitspielen. Das muss jedem bewusst sein. Jetzt gilt es, weiter zu kämpfen.“ Schließlich ist das Abenteuer 2. Liga noch lange nicht zu Ende. „Es ist ein absoluter Traum, in dieser Liga spielen zu dürfen. Dazu ist der Zusammenhalt einfach perfekt“, schwärmte sie. Einziger Wermutstropfen: Der erste Zweitliga-Heimsieg fehlt noch. Aber den könnte sie mit ihrem Team schon am nächsten Samstag gegen Allensbach einfahren.