Eine 16-Jährige aus Bad Wörishofen hat ein Buch über ihre Generation, die "Generation geil" geschrieben. Ein Interview mit Autorin von Yvonne Salvamoser

Die Jugend von heute - wer ist damit überhaupt gemeint? Katharina Weiß zum Beispiel. Gerade hat die 16-jährige Gymnasiastin ihr erstes Buch vorgelegt. Geschrieben hat sie über ihre Generation, die "Generation geil".
Du hast 20 junge Menschen interviewt. Und hast du ihn gefunden, den für viele Erwachsene typischen Jugendlichen: gewaltbereit, null Bock auf nix, Facebook-Junkie und Komasäufer?
Katharina Weiß: Den, der alle Klischees in sich vereint, gibt es nicht. Klar haben einzelne Klischees einen wahren Hintergrund. Aber ein Jugendlicher hat mehr Facetten. Die typischen Schlagwörter, mit denen unsere Generation beschrieben wird, sind immer nur einzelne Aspekte.
Wie hast du die Jugendlichen für dein Buch ausgewählt?
Weiß: Teilweise sind es Bekannte, die ich etwa auf Konzerten kennengelernt habe. Der Verlag hat ein paar Kontakte hergestellt. Und ich habe über soziale Netzwerke im Internet nach Gesprächspartnern gesucht, ihr Profil angesehen und so versucht herauszufinden, ob jemand Lust auf das Projekt haben könnte. Die Protagonisten kommen jetzt aus ganz Deutschland, Berlin, München, aber auch aus kleinen Dörfern.
Und dann hast du sie getroffen?
Weiß: Ja, zum Beispiel an einem heißen Sommertag im Park oder abends in einer Bar. Es war mehr ein offenes Gespräch. Das Spannende daran war: Ich habe mich mit fremden Menschen getroffen und erfahren, wie sie leben und was sie bewegt. Es ist ja oft so, dass man einem Fremden in der Bahn gegenübersitzt und sich genau diese Fragen stellt. Und ich konnte das herausfinden. Das war toll.
Was hast du sie gefragt?
Weiß: Ach, alles Mögliche. Ich habe mit leichten Fragen angefangen: Wie lebst du? Wie sieht deine Familie aus? Und dann: Wie feierst du? Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Wie wichtig ist dir die Liebe?
Apropos Liebe ... War es nicht unangenehm, über Sex zu sprechen?
Weiß: Die meisten kamen von selbst auf das Thema. Aber es ist nicht der Schwerpunkt meines Buchs - und es gibt auch keine intimen Details. Mir ging es um die emotionale Seite und um die Reflexion über Schlagwörter wie Alkohol, Schule, null Bock.
Hat ihre Generation Bock auf etwas?
Weiß: Ja, das hat sie sehr wohl. Viele, vor allem Mädchen, sind extrem ehrgeizig. Die meisten sind auch sehr interessiert daran, was in unserer Gesellschaft passiert. Vielleicht ist das nicht das Wissen, das sich Erwachsene wünschen. Sie erwarten wohl eher, dass man die Außenminister aller europäischen Staaten kennt. Aber ich habe mich mit meinen Freunden schon einmal über Atomkraft unterhalten.
Haben dich manche Antworten auch überrascht?
Weiß: Ja, ich war erstaunt, dass sich das Frauenbild total gewandelt hat. Nur ein einziges Mädchen konnte sich ein Leben als Hausfrau und Mutter vorstellen. Ich war überrascht, dass Religion ein Thema ist, mit dem sich viele auseinandersetzen. Gerade wenn es zum Beispiel um die Frage nach dem Sinn des Lebens geht oder darum, wie wichtig Geld ist. Gut über die Hälfte der Jugendlichen beschäftigen sich mit spirituellen Fragen.
Gibt es etwas, was deine Generation eint?
Weiß: Nein, den typischen Jugendlichen gibt es nicht, auch nichts, das alle gemeinsam haben. Da ist kein gemeinsames Idol, kein gemeinsamer roter Faden. Trotzdem: Besonders wichtig ist allen, dass sie etwas erleben und Erfahrungen sammeln.
Warum, glaubst du, sind die Jugendlichen heute so unterschiedlich?
Weiß: Das liegt wohl daran, dass es keine große Linie mehr gibt, dafür aber viele kleine Mainstreams. Und jeder sucht sich eben einen aus, der zu ihm passt. Dann spielen auch interaktive Medien wie das Internet eine große Rolle. Dort gibt es Angebote und Gruppen, die man in der direkten Umgebung nicht findet.
Erwachsene und Medien werden euch trotzdem über einen Kamm scheren.
Weiß: Das regt mich am meisten auf. Geistert zum Beispiel wieder einmal ein Komasäufer durch die Presse, sind wir gleich alle Komasäufer. Schade, dass wir dann immer auf einen Aspekt, den unsere Generation ausmacht, reduziert werden.
Interview: Yvonne Salvamoser
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