Auf dem Heimweg dachte Thomas J., dass am Fahrradweg Richtung Ichenhausen zwei Buben raufen. Dabei geschah etwas anderes. Er schritt sofort ein und verhinderte Schlimmeres. Von Katja Belitz

Andere hätten vielleicht weggesehen. Thomas J. nicht. Er griff ein, als er merkte, dass da etwas nicht stimmte. Der 40-Jährige befreite an einem Montagabend ein kleines Mädchen aus den Fängen ihres Peinigers. Ein Mann hatte das Kind auf dem Feldweg zwischen Hochwang und Ichenhausen zu Boden gezerrt. Die Polizei vermutet, dass der Täter versuchte, die Zehnjährige zu vergewaltigen. Doch es kam zum Glück anders.
An jenem Abend war Thomas J. mit dem Fahrrad in Ichenhausen unterwegs, wollte gerade nach Hause ins benachbarte Hochwang. Da war es etwa 18.30 Uhr. Kurz nach dem Ortsschild von Ichenhausen nahm er den Feldweg. Links und rechts ragten Hecken in die Dämmerung. Wie gewöhnlich donnerten Autos und Lastwagen über die Straße gleich neben seinem Heimweg.
Zuerst dachte sich Thomas J. nichts dabei: "Ich glaubte, da raufen sich zwei Jungs", erinnert er sich. Jetzt steht er wieder zwischen den beiden Bäumen. Hier war es passiert. Thomas J. hat die Bilder noch gut vor Augen. "Es war genauso kalt wie heute", stellt er fest. Dann zeigt er nach Hochwang. Gut zehn Meter sei er von hier aus noch weiter in diese Richtung gefahren.
Da plötzlich schoss es ihm durch den Kopf: Etwas war merkwürdig. "Ich habe mich gefragt, warum sich um diese Uhrzeit dort Buben raufen sollten." Thomas J. zögerte nicht. Er drehte um.
Dann steuerte er auf das Mädchen und den Täter zu: "Was ist da los, habe ich gefragt, und dann ist der Mann aufgestanden." Irgendetwas muss der Peiniger auf die Frage des Retters geantwortet haben, Thomas J. weiß es nicht mehr. Ihm ging es die ganze Zeit nur um das Kind, das in diesem Moment in höchster Not war, sagt er. "Ich habe dem Mädchen meine Hand hingestreckt."
Während der Täter wahrscheinlich nach Ichenhausen wegrannte, nahm Thomas J. das Kind an die Hand. "Es hat gezittert und geweint", sagt er. Der Retter kümmerte sich um die Zehnjährige, bis die Polizei eintraf. Thomas J. hatte die Beamten informiert, eine Täterbeschreibung durchgegeben und damit wohl auch noch der Polizei geholfen.
Woher nahm der 40-Jährige den Mut, in dieser brenzligen Situation einzuschreiten? Hat er denn nicht befürchtet, dass es für ihn selbst gefährlich werden könnte? "Ich habe in dem Moment gar nicht nachgedacht", gibt Thomas J. zu. Inzwischen hat er es getan und nun ist er sich sicher: Er hätte sich gewehrt, wenn das nötig gewesen wäre. Das kleine Mädchen, sagt er, konnte sich jedenfalls nicht wehren, so wie es da lag mit dem Schulranzen.
Grundsätzlich findet der 40-Jährige: "Man darf doch nicht einfach wegschauen." Wenn Thomas J. das sagt, ist es mehr als ein gut gemeinter Vorsatz. Er hat es bewiesen. Das Kind konnte er vor weiterem Schrecken und weiteren Qualen bewahren. Eine mutige Tat, die dem 40-jährigen Hochwanger auch höchstes Lob von der Polizei eingetragen hat. Ein 54-jähriger Tatverdächtiger sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Katja Belitz
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