Deutsche Meister ist die schwäbisch-fränkische Mannschaft „South Side BBQ“ schon. Am Wochenende kämpft die Johannes Kliem mit seiner siebenköpfigen Truppe in Gronau/Westfalen um die WM-Krone.
Wie haben Sie sich auf die Weltmeisterschaften vorbereitet?
Johannes Kliem: Wir treffen uns seit Herbst einmal im Monat, probieren neue Ideen aus und schauen, ob sie auch im Wettbewerb umsetzbar sind. Wichtig ist bei den Gerichten, den Geschmack der Mehrheit zu treffen. Wenn man zu experimentell grillt und es am Ende achtzig von hundert Leuten sagen, dass es ihnen nicht schmeckt, hilft einem das nicht weiter.
Wie kreativ können Sie bei der Weltmeisterschaft werden?
Kliem: Anders als bei der Deutschen Meisterschaft ist bei der WM sehr viel vorgegeben. Man bekommt ein sechs Kilo schweres Stück Schweineschulter und ein zehn Kilo schweres Stück Rinderbrust. Die müssen bei niedriger Temperatur über zwölf bis 15 Stunden gegart werden, damit sie zart werden. Außerdem gibt es Spareribs. Spielraum gibt es beim Geflügel. Man bekommt fünf ganze Hühner und darf daraus machen, was man möchte. Insgesamt werden wir etwa 45 Kilo Fleisch verarbeiten. Beim Dessert gibt es keine Vorgaben - nur 60 Prozent des Gangs müssen vom Grill kommen. Wir wollen einen Fruchtzylinder mit einer Soße aus gegrillten Früchten machen.
Wie stehen die Chancen auf den Titel?
Kliem: Für die WM haben 85 Mannschaften aus ganz Europa, den USA und Australien gemeldet. Realistisch können wir unter die besten 20 bis 25 kommen. Der Rest ist Glückssache.
Gibt es in ihrer Mannschaft Spezialisten für bestimmte Gerichte?
Kliem: Wir haben uns natürlich aufgeteilt, sonst wird es beim Wettbewerb zu chaotisch. Zwei werden am Stand auf Luftmatratzen übernachten, damit sie die großen Fleischstücke im Auge haben. Wenn der Grill zu heiß wird, wird das Fleisch nicht mehr zart. Dann hat man keine Chance mehr. Außerdem haben wir einen Kollegen, der auf Desserts spezialisiert ist. Das ist zwar die kreativste Aufgabe, aber meist reißt sich niemand darum. Ich persönlich esse Nachspeisen vom Grill auch lieber als sie selbst zuzubereiten.
Nehmen Sie die Ausrüstung mit oder wird die vor Ort gestellt?
Kliem: Ein Sponsor stellt Grills, aber das nehmen normalerweise nur die Teams wahr, die mit dem Flugzeug anreisen. Wir laden unsere Grills und das Zubehör in fünf Autos und nehmen es mit. Es ist besser, wenn man mit seinem eigenen Material arbeitet, da weiß man, dass man sich darauf verlassen kann.
Was raten Sie Hobby-Grillern beim Kauf?
Kliem: Ich empfehle einen Grill mit Deckel. Damit hat man mehr Möglichkeiten. Man kann indirekt grillen, muss also das Fleisch nicht direkt über die Kohlen legen. Das Fleisch wird durch die Hitze gar. So kann man auch auf dem Grill Brot oder Kuchen backen. Beim Grill lohnt es sich, ein paar Euro mehr für Qualitätsware auszugeben.
Was halten Sie von Fleisch aus dem Supermarkt?
Kliem: Ich kaufe mein Fleisch lieber beim heimischen Metzger. Bei der abgepackten Ware aus dem Supermarkt weiß man nicht, wo sie herkommt und die Marinade enthält chemische Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker. Eine Marinade ist schnell gemacht. Gewürze und etwas Öl hat man zuhause, vielleicht noch ein paar frische Kräuter aus dem Garten. Dann legt man es einen Tag lang ein, damit der Geschmack einziehen kann.
Gilt grundsätzlich die Regel „Teurer ist besser“?
Kliem: Nein. Grillkohle gibt es auch beim Discounter in guter Qualität. Gute Briketts kann man für 1,60 bis 1,80 Euro pro 3-Kilo-Sack kaufen, Premium-Produkte kosten bis zu sechs Euro. Da kommt schon was zusammen. Ich selbst verbrauche etwa 200 Kilo Grillkohle pro Jahr. Wer viel grillt, sollte mehrere Sorten ausprobieren und sich einen Vorrat anlegen, wenn er eine gute Charge gefunden hat. Die Qualität der Kohlen variiert sehr stark.
Gibt es beim Anzünden eine Alternative zu den chemischen Anzündern?
Kliem: Um den Grill anzufachen, empfehle ich Bio-Anzündkamine. Die gibt es mittlerweile auch in jedem Discounter. Anders als die Parafin-Anzünder hinterlassen sie keinen chemischen Geschmack auf dem Grillgut und man hat nach etwa 20 Minuten eine schöne Glut. Allerdings muss man gut aufpassen, denn in den Kaminen entstehen Temperaturen von bis zu 1000 Grad. Sicherheitshandschuhe sind empfehlenswert.
Die Fragen stellte Adrian Bauer
Mehr Tipps zum Thema Grillen finden Sie im Internet unter www.texas-bbq.net