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Denkmalpflege: Ach, du lieber Augustin!

Denkmalpflege

Ach, du lieber Augustin!

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    Der alte Leuchtturm und das Denkmal des bayerischen Löwen auf der Hafenmole sind die Wahrzeichen der Stadt Lindau. (Bild: Meier/dpa/tmn)
    Der alte Leuchtturm und das Denkmal des bayerischen Löwen auf der Hafenmole sind die Wahrzeichen der Stadt Lindau. (Bild: Meier/dpa/tmn) Foto: DPA

    Der „liebe Augustin“ ist nicht nur Held eines Kinderlieds, sondern auch eine Romanfigur, die nach ihrem Erfinder Horst Wolfram Geissler die Lebensfreude des Bodenseeraums verkörpert und es damit zu einiger Berühmtheit brachte. Neuerdings hat die Berühmtheit wenig mit Freude zu tun, und sie findet auch nicht im Roman statt.

    Zum „lieben Augustin“ heißt nämlich ein in Lindau bekanntes Lokal, das in einem von zwei benachbarten denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht ist – und diese beiden Häuser sollen abgerissen werden. Der Eigentümer, Hotelier Robert Stolze, will neu bauen – ein größeres Hotel mit Schwimmbad – und hatte für die Planung den bekannten Frankfurter Architekten Christoph Mäckler engagiert.

    Kehrtwende des Kunstministeriums

    Dem Abriss hat sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege entschieden entgegen gestellt, da die Häuser aus dem 15. Jahrhundert, die zur sogenannten Fischersiedlung gehören, prägend für das Bild der Lindauer Altstadt sind. Auch eine Bürgerinitiative „Rettet den lieben Augustin“ rund um den ehemaligen Lindauer Stadtbaurat Klaus Burger wurde aktiv, blieb aber trotz fast zweijährigen Kampfes letztendlich erfolglos.

    Nachdem der Lindauer Stadtrat und Oberbürgermeisterin Petra Seidl vor einem Jahr für den Abriss gestimmt hatten, hat nun in diesem Sommer die Regierung von Schwaben den Beschluss bestätigt. Und das für den Denkmalschutz zuständige bayerische Kunstministerium, auf das die Bürgerinitiative ihre Hoffnungen gesetzt hatte, stimmte kürzlich dem Abriss ebenfalls zu, obwohl es zunächst die Erteilung einer Abbrucherlaubnis ausgeschlossen hatte.

    Die Bürgerinitiative will gleichwohl nicht aufgeben und plant eine Petition an den Landtag. Für deren Begründung wurde der renommierte Denkmaljurist Dieter Martin aus Bamberg gewonnen, der auch den Landesdenkmalrat eingeschaltet hat. Die Abgeordneten werden gebeten, die Rechtmäßigkeit der Abbrucherlaubnis zu überprüfen, um den Verlust der Baudenkmale und die Schädigung des Denkmal-Ensembles zu verhindern.

    Hinter der Bitte an die Abgeordneten steht der Verdacht, die Kehrtwende im Ministerium habe mit der Nähe der FDP, der Kunstminister Wolfgang Heubisch angehört, zum Hotelgewerbe zu tun. Der Verdacht, den Ministeriums-Sprecherin Susanne Raab nach Anfrage zurückweist, wird auch im Landesamt nicht für abwegig gehalten, zumal dem Hausbesitzer gute Kontakte zum ebenfalls FDP-geführten Wirtschaftsministerium nachgesagt werden.

    Mehr als 500 Jahre gebaute Geschichte

    Das Landesamt für Denkmalpflege hatte in einem Gutachten nachgewiesen, dass die Modernisierung des Hotels auch ohne Abriss, nämlich in den bestehenden Gebäuden möglich wäre. Beide Häuser stellen wertvollstes Kulturgut dar – nicht nur, weil sie bis in die 1480er Jahre zurückdatiert werden können, sondern auch, weil ihre Fassaden im 19. Jahrhundert biedermeierlich erneuert wurden und weil die 1938 vom Stuttgarter Architekten Paul Volkart geschaffene Innenausstattung bemerkenswert ist. Auch dass in diesem Fall dreierlei Denkmalschichten Zeugnis von der Geschichte ablegen, konnten jedoch Eigentümer und Kommunalpolitiker nicht überzeugen.

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