München/Regen (dpa/lby) - Jüngster Bürgermeister Deutschlands, jüngster Landrat - und 2013 dann Minister? Bislang ist dem erst 26 Jahre alten SPD-Hoffnungsträger Michael Adam in seiner politischen Karriere fast alles geglückt. Dennoch rechnet er nach einem möglichen Wahlsieg der SPD in zwei Jahren nicht mit einem schnellen Wechsel in die Landespolitik. Es werde nicht so sein, dass am Tag nach der Landtagswahl der Anruf aus München komme, sagte Adam. Dennoch ließ sich die bayerische SPD die Chance nicht entgehen, ihren neuen Star schon jetzt in der Landeshauptstadt zu präsentieren. Die Rechnung ging auf: Sein Auftritt in München sorgte am Dienstag für großen Medienandrang.
Der Bürgermeister aus dem niederbayerischen Bodenmais hatte am Sonntag die Landratswahl im Kreis Regen gewonnen. Er hat angekündigt, zwei Wahlperioden Landrat bleiben zu wollen, um in dem Bayerwaldkreis etwas bewegen zu können. "Wenn Sie eine klare Aussage treffen, kommen Sie aus der Nummer nicht mehr raus", sagte der junge Sozialdemokrat, der an diesem Donnerstag den vakanten Landratsposten übernehmen wird.
Auch Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen betonte am Dienstag, dass ein Wechsel Adams nach München vorläufig kein Thema sei. Es sei auch wichtig für die Partei, fähige Kommunalpolitiker in den Regionen zu haben. Dennoch ließ sie ein Schlupfloch für Adam offen: "2013 schauen wir weiter", sagte sie vieldeutig.
Adam hat mit seinem Wahlsieg die mehr als 50 Jahre dauernde CSU-Dominanz im Landkreis Regen überwunden. Er sieht diesen Ausgang auch als Vorboten eines Regierungswechsels im Land: "Es gibt keine klassischen Erbbastionen mehr für die CSU."
Die Spekulationen um Korruption seines CSU-Amtsvorgängers Heinz Wölfl haben laut Adam im Wahlkampf keine Rolle gespielt. Der hoch verschuldete Wölfl hatte sich im Sommer das Leben genommen. Seitdem untersuchen Staatsanwaltschaft und Kommunaler Prüfungsverband, ob es Unregelmäßigkeiten im Regener Landratsamt gab. Die Wahl sei eine Persönlichkeitswahl gewesen, meinte Adam. Es sei um Inhalte gegangen. Seine Homosexualität habe ebenfalls keine Rolle gespielt. "Das interessiert im Bayerischen Wald keinen Menschen."
Adam hat seinen Wahlkampf auch mit 20 000 Euro aus seiner Privatschatulle bezahlt, die Hälfte davon hat er über einen Kredit finanziert. "Dass ist nicht so ungewöhnlich", erklärte er. In den nächsten Jahren will er die Infrastruktur in seiner Heimat verbessern - bei Straßen- und Schienenbau sowie schnellen Internetzugängen gebe es Nachholbedarf. Seinen Erfolg erklärt Adam auch mit seiner Vernetzung vor Ort. "In Bodenmais bin ich überall Mitglied, außer im Mütterverein und im Frauenbund - die wollten mich nicht haben." Der 26-Jährige ist Mitglied in mehreren Dutzend Organisationen vom Arberschützen-Verein bis den Rissbachfischern Bodenmais von 1986.
Der Behauptung, er habe schon als 17-Jähriger angekündigt, Bundeskanzler werden zu wollen, widersprach Adam: "Dieses Gerücht hat mein Vater erzeugt." Dennoch muss der Landratssessel längst nicht Endstation sein: "Ich plane diese Zukunft nicht, aber ich bin jung genug, dass noch viel passieren kann", sagte Adam selbstbewusst.