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14. Mai 2008 18:45 Uhr

Strengere Regeln für Vereine

Alle feiern, aber beim Wirt ist tote Hose

Wie finanziere ich mir und meinen Freunden ganz nebenbei einen Mallorca-Urlaub? Auf diese Frage haben findige Zeitgenossen eine Antwort gefunden: Ich gründe einen Verein und organisiere ein großes Sommerfest. Wer sich nicht ganz dumm anstellt, kann damit schnell ein paar Tausend Euro verdienen.

Von Uli Bachmeier

München. Wie finanziere ich mir und meinen Freunden ganz nebenbei einen Mallorca-Urlaub? Auf diese Frage haben findige Zeitgenossen eine Antwort gefunden: Ich gründe einen Verein - nennen wir ihn "Die zünftigen Ballermänner" - und organisiere ein großes Sommerfest - nennen wir es "Ballermann-Bier-Party". Wer sich nicht ganz dumm anstellt, kann damit schnell ein paar Tausend Euro verdienen - und zwar steuerfrei, weil es ein Verein ist.

Einer Minderheit im Land allerdings schmeckt dieses Treiben gar nicht: den Wirten. Lange Zeit beschränkte sich die billigere Konkurrenz im Sommer auf traditionelle Vereinsfeste, Jubiläumsfeiern oder sonstiges Brauchtum. In den vergangenen Jahren aber haben sich Vereinsfeste und privat organisierte Partys geradezu inflationär entwickelt. Ihre Zahl dürfte, so schätzt Josef Stadler von der Fachzeitschrift Gastronomie-Report, heute bei 100 000 pro Jahr liegen - fast viermal so viel wie vor 25 Jahren.

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Dieser Entwicklung steht eine andere Zahl gegenüber: Schon etwa 500 Orte in Bayern, so sagt der Memminger Gastwirt Herbert Breckel, stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichs Gastronomie im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG), haben ihre letzte Dorfwirtschaft verloren. Eine Ursache dafür sei die "wettbewerbsverzerrende Gastronomie". Breckel: "Wenn es in einem kleinen Ort mit 800 Einwohnern fünf Vereine gibt und jeder Verein zwei Feste im Jahr veranstaltet, dann ist beim Wirt an zehn Wochenenden tote Hose."

Für viele Sport- oder Schützenvereine, Pfarrgemeinden oder Trachtengruppen freilich dient das Sommerfest einem guten Zweck: der Finanzierung der ehrenamtlichen Vereins- und Jugendarbeit. Das weiß auch der BHG und setzt auf eine Imagekampagne "Feiern mit dem Wirt", die in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium heute vorgestellt wird. Ihr Ziel: die Zusammenarbeit zwischen Wirten und Vereinen zu beleben.

Ein Bürgermeister hütet sich davor, Feste nicht zu genehmigen

Gleichzeitig aber drängt der BHG politisch auch immer wieder auf ein Eindämmen der "Schwarzgastronomie". Von Rechts wegen nämlich müssten Feste einen besonderen kulturellen Anlass haben. Dass dennoch praktisch jedes Fest genehmigt werde, hat aus Sicht Breckels einen einfachen Grund: "Ein Bürgermeister, der wiedergewählt werden will, wird sich hüten, ein Fest nicht zu genehmigen."

Wie das Problem gelöst werden könnte, ist umstritten. Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) weist die Kritik an den Bürgermeistern zurück, spricht aber von einem "Thema, das für beide Seiten klärungsbedürftig ist".

Der Mindelheimer CSU-Abgeordnete Franz Pschierer, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag, dagegen verweist auf die Gesetzeslage. Erforderlich sei nur "etwas mehr Mut und Durchsetzungskraft bei den Bürgermeistern", um die Privat-Feste einzudämmen.Die klassischen Traditionsfeste aber, so Pschierer, dürften nicht eingeschränkt werden. "Da hat sich die Politik nicht einzumischen."

Gastwirt Breckel wiederum ist überzeugt, dass sich ohne politische Hilfe "von ganz oben" die Situation der Wirte nicht bessern wird. Er verweist auf die 16 000 Auszubildenden und 300 000 Beschäftigten in der bayerischen Gastronomie und sagt: "Hier ist der Staat gefordert."

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