Das ist doch ein Lichtblick für die kleine Anja: Das achtjährige Mädchen, das seit seiner Geburt von der Mutter in den dunklen Zimmern eines Bauernhofes in Ursberg versteckt und gefangen gehalten worden war, wird ab Januar in einer Pflegefamilie leben. Von Andrea Kümpfbeck

Von Andrea Kümpfbeck, Ursberg
Das ist doch ein Lichtblick für die kleine Anja: Das achtjährige Mädchen, das seit seiner Geburt von der Mutter in den dunklen Zimmern eines Bauernhofes in Ursberg versteckt und gefangen gehalten worden war, lebt seit Januar in einer Pflegefamilie. Noch wird die Kleine in einer Klinik betreut, mache aber gute Fortschritte.
Ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Mädchens liegt der Memminger Staatsanwaltschaft vor, bestätigt Pressesprecher Jürgen Brinkmann gegenüber unserer Zeitung. Sowohl von körperlichen als auch psychischen Störungen sei darin die Rede, erläutert der Staatsanwalt.
Doch bei den körperlichen Fehlentwicklungen - Brinkmann spricht von der Fuß- und Beinstellung sowie der Haltung - geht der Arzt davon aus, dass die sich im Laufe der Zeit geben werden. Sprich: Körperlich wird sich Anja wohl normal entwickeln. Ob das Kind psychische Schäden oder Beziehungs- und Bindungsprobleme davongetragen hat, "weiß man heute noch nicht", sagt Brinkmann.
Der Fall der kleinen Anja hatte im Juni 2007 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Spielende Buben hatten hinter den zugezogenen Gardinen eines Bauernhauses das blasse Kindergesicht des Mädchens entdeckt, dessen Existenz ihre Mutter sieben Jahre lang geheim gehalten hatte.
Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat sowohl gegen die Mutter als auch den 51-jährigen Vater ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener eingeleitet. Der Vater wohnt im selben Ursberger Ortsteil und hatte die Tochter regelmäßig besucht.
Während Staatsanwalt Brinkmann davon ausgeht, dass es Anfang nächsten Jahres zur Anklage gegen den Vater kommt, wird es gegen Anjas Mutter wohl nie einen Prozess geben. Die 46-jährige Bäuerin ist selber schwer krank, lag nach einem Herzstillstand wochenlang im Koma. Seither ist sie pflegebedürftig und kann nur bruchstückhaft sprechen. Sie ist inzwischen zurück in Ursberg und wird dort therapeutisch betreut.
Einem Gutachten zufolge, das der Staatsanwaltschaft ebenfalls vorliegt, sei die Frau nicht verhandlungsfähig. "Die Diagnose ist eindeutig", sagt Brinkmann. Auch die Prognosen seien nicht gut. "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das Verfahren gegen die Mutter eingestellt."
Bürgermeister Ewald Schmid sprach in seiner Jahresbilanz von einem "erschütternden Jahr" für Ursberg durch den "herausragenden Fall Anja". Doch: Der Gemeinde "ist - wenn man es so sagen will - kein nennenswerter Schaden entstanden".
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