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Kritik an der Förderpolitik: Ausverkauf der Landschaft

Kritik an der Förderpolitik

Ausverkauf der Landschaft

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    Die Stiftung KulturLandschaft hatte 2001 zwischen Ottobeuren und Westerheim 36 Hektar Wiesen gepachtet, die mit Mitteln aus dem Vertragsnaturschutzprogramm gefordert wurden. Heute sind es noch 11 Hektar. Der freiwillige Naturschutz verliert immer mehr an Boden.
    Die Stiftung KulturLandschaft hatte 2001 zwischen Ottobeuren und Westerheim 36 Hektar Wiesen gepachtet, die mit Mitteln aus dem Vertragsnaturschutzprogramm gefordert wurden. Heute sind es noch 11 Hektar. Der freiwillige Naturschutz verliert immer mehr an Boden. Foto: Harald Farkaschovsky

    Der Landwirt Andreas Blank kennt seine Unterallgäuer Heimat nicht mehr. Wo früher bunte Wiesen waren, Getreide, Rüben und Kartoffeln wuchsen, sieht er heute eine Maiswüste. Auch auf sensiblen, ökologisch wertvollen Flächen, „wo man sich das nicht vorstellen konnte“. Der Mais wird überwiegend für Biogasanlagen angebaut. Allein um Blanks Heimatdorf Attenhausen herum gibt es um die 20 solcher Anlagen.

    Blanks Grünlandbetrieb gehört seit Generationen der Familie. Er hat 36 Milchkühe und 20 Jungrinder. Einige seiner Wiesen sind im bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm (VNP). Die Flächen werden von ihm extensiv bewirtschaftet. Der Landwirt macht Heu, das sein Original Braunvieh sehr schätzt. Der freiwillige Naturschutz war über Jahre ein Erfolgsmodell. Doch die Zeiten haben sich dramatisch geändert, klagt Peter Guggenberger, Gebietsbetreuer der Stiftung KulturLandschaft Günztal. 2007 trat die Wende ein. „Grundstücke, die 10 bis 15 Jahre ökologisch entwickelt wurden, brechen Stück für Stück weg.“ Der Druck auf die Pachtflächen wächst immer stärker.

    Diese Erfahrung hat Blank auch schon gemacht. Für Milchviehbetriebe seien die Preise kaum zu verkraften, sagt Blank. Zahlen können es dagegen die Landwirte, die für ihre Biogasanlagen eine Förderung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bekommen. „Sie gehen mit der Subvention einkaufen“, sagt Guggenberger. Bauer Blank will es nicht in den Kopf, dass Getreide nicht zum Essen, sondern zum Verbrennen angebaut wird. Grundstücksbesitzer inserieren inzwischen in der Zeitung und suchen den Meistbietenden für ihre Flächen.

    Die Stiftung KulturLandschaft hat die Veränderungen im Günztal zwischen Ottobeuren und Westerheim dokumentiert: 2001 wurde auf 36 Hektar die extensive Wiesennutzung mit VNP-Mitteln gefördert. Heute sind es noch 11 Hektar. Das ist ein Rückgang um 70 Prozent. Die Maisflächen haben im gleichen Zeitraum um 200 Prozent zugenommen. Viele Wiesen werden wieder intensiv bewirtschaftet. „Der Natur fehlen die Flächen“, sagt Guggenberger, der einen einzigartigen Biotopverbund in dem Flusstal aufgebaut hatte. Er macht den Bauern keinen Vorwurf. Sie sind in einem Dilemma. „Auch sie leiden unter der verfehlten Förderpolitik.“ Dazu kommt der Flächenfraß für den Siedlungs- und Straßenbau.

    Der Bayerische Naturschutzfonds hat der Stiftung KulturLandschaft Günztal Gelder für den Biotopverbund zwischen Ronsberg und Obergünzburg (Landkreis Ostallgäu) bewilligt. Guggenberger kann sie aber nicht abrufen, weil er nicht mal eine Streuwiese bekommt. Die Situation sei absurd, sagt der Gebietsbetreuer und verweist auf die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“. Das Bundeskabinett hatte im Jahr 2007 beschlossen, die Biodiversität in Agrarökosystemen bis 2020 deutlich zu erhöhen. Der Anteil wertvoller landwirtschaftlicher Biotope wie das artenreiche Grünland sollte um mindestens zehn Prozent gegenüber 2005 zunehmen. „Die Praxis zeigt aber in die entgegengesetzte Richtung.“ Im Günztal, sagt Guggenberger, lassen sich die Ziele des Naturschutzes offenbar nur noch auf öffentlichem Grund verfolgen oder auf den Flächen, die sich Naturschutzakteure gesichert haben.

    Ein generelles bayerisches Problem

    Die Stiftung KulturLandschaft Günztal hat jetzt einen Brandbrief an den Bayerischen Naturschutzfonds geschrieben, um auch das Umweltministerium auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen. Was sich im Unterallgäu abspiele, sei kein „Spezialfall Günztal“, sondern ein generelles, bayerisches Problem. Der Staat müsse etwas tun, dass das, was im Naturschutz mühsam aufgebaut wurde, nicht wegen des Biogasanlagen-Booms verkommt.

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