Angesichts der Atomkatastrophe in Japan haben der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der Münchner Kardinal Reinhard Marx mit klaren Worten gegen die Kernkraft ausgesprochen. Erzbischof Schick plädierte für den sofortigen und weltweiten Ausstieg aus der Kernkraft. Kardinal Reinhard Marx warnte davor, die Gefahren der Atomenergie zu schnell zu vergessen. Die Kirche müsse immer wieder ihre Position deutlich machen, damit gehandelt werde, so Marx weiter.
"Unsere Skepsis ist gestiegen, weil das Restrisiko der Atomkraft nicht beherrschbar und die Endlagerung nicht geklärt ist", sagte Kardinal Marx bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum München und Freising in Waldkraiburg. Atomenergie müsse eine echte Brückentechnologie sein. Das bedeute, "die Brücke zum Ausstieg muss auch beschritten werden". Er erinnerte daran, dass Kardinal Joseph Höffner bereits im Jahr 1980 gewarnt habe, die Atomtechnik sei nicht beherrschbar und aus Sicht der Kirche nicht akzeptabel. Marx hatte sich bereits vor einigen Tagen für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen.
Am Sonntag mahnte Erzbischof Schick bei der Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in Burgebrach (Landkreis Bamberg), es sei ein Einstieg in einen bescheideneren Lebensstil notwendig. Die Kernkraftwerke seien wegen des ständig steigenden, maßlosen Energiebedarfs der Industrienationen gebaut worden. Deswegen müsse jeder Einzelne zur Umstellung bereit sein und seine Ansprüche zurückschrauben. Er rief dazu auf, bei Lebensmitteln so weit wie möglich auf regionale Produkte zurückzugreifen, um damit energieaufwendige Transporte zu verringern.
"Auch die Autoindustrie kann sich umstellen", betonte Schick. Schon jetzt sei es möglich, benzinsparendere Autos herzustellen. Mit alledem werde zugleich das Klima geschont und so den von Dürre- oder Flutkatastrophen betroffenen Menschen in den Entwicklungsländern geholfen.
"Endgültig abschalten" - Demonstration in Landshut
In Landshut protestierten am Samstag mehr als tausend Atomkraftgegner für das endgültige Aus des umstrittenen Kraftwerks Isar 1. Sie schwenkten Fahnen mit dem Symbol für den Atomenergieausstieg und riefen "Abschalten". "Eigentlich müssten wir 'endgültig abschalten' rufen", sagte Rosi Steinberger, niederbayerische Bezirksvorsitzende der Grünen, der dpa. Nach tagelangem Hin und Her ist Isar 1 seit Donnerstag vom Netz.
Neben Anwohnern kamen auch Menschen aus Regensburg, Straubing, Kehlheim und anderen Orten zu der Demonstration nach Landshut. Die Veranstalter vom "Bündnis für den Atomausstieg" zählten rund 1500 Teilnehmer. Nach einer Schweigeminute für die Opfer von Japan warnte Joachim Schmid vom IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung von Atomkrieg) vor Gesundheitsgefahren durch Atomkraftwerke. Der SPD-Europaabgeordnete aus Amberg, Ismail Ertug, forderte neben dem dauerhaften Aus für Isar 1 einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland und in Europa. lb