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02. September 2010 18:45 Uhr

Oberpfaffenhofen

Bayern organisiert Hilfe aus dem All

Im Erdbeobachtungszentrum in Oberpfaffenhofen werden wertvolle Einrichtungen unter einem Dach gebündelt: Unter anderem wird dort ein Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien entwickelt.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) spricht bei der Eröffnung des neu errichteten DLR-Erdbeobachtungszentrum EOC Service Lab (Earth Oberservation Center) in Oberpfaffenhofen (Oberbayern).
Foto: kne htf

So ein Radarsatellit hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn er von hoch oben im All auf die Erde "blickt", dann stören ihn Wolken nicht. Er "sieht" durch sie hindurch und erkennt, was unten auf der Erde vor sich geht. Zu jeder Zeit. Tag und Nacht.

Mit dem umstrittenen "Google Street View", so erklärte es gestern in Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg) Professor Stefan Dech dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, hat das alles freilich nichts zu tun. Dech ist Direktor des "Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums" beim "Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt" (DLR) und er verfolgt seit Jahren ein Ziel: die Vorteile der satellitengestützten Erdbeobachtung nutzbar zu machen und "in die Gesellschaft zu tragen". Gestern kam er damit wieder einen Schritt voran. Beim DLR in Oberpfaffenhofen wurde das "EOC Service Lab" in Betrieb genommen - rein äußerlich nüchterne Büros, in Wirklichkeit ein Ort, um zu staunen.

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Der Blick von oben auf die Welt am Beispiel Haiti: Das große Erdbeben hat weite Teile des Landes verwüstet. Landkarten sind über Nacht wertlos geworden. Brücken sind zerstört, Straßen unpassierbar. Doch die Menschen brauchen dringend Hilfe. Die Experten in Oberpfaffenhofen - in diesem Fall die Mitarbeiter des Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) - können in dieser Situation die Katastrophenhelfer vor Ort schnell unterstützen. Mithilfe der beiden Radarsatelliten finden sie die Wege, die noch frei sind.

Die zweite Einrichtung im "EOC Service Lab" ist das Weltdatenzentrum für Fernerkundung der Atmosphäre. Die Mitarbeiter dort sammeln, archivieren und dokumentierten alle Informationen, die ihnen Satelliten über die Atmosphäre und das Klima liefern, und stellen es frei zugänglich Wissenschaftlern in der ganzen Welt im Internet zur Verfügung.

Komplett neu ist die dritte Einrichtung des "EOC Service Lab". Auch sie hat einen sperrigen Namen: "Referenzplattform für Umwelt- und Kriseninformationssysteme" (UKIS). Doch im Katastrophenfall könnte von den Bildschirmarbeitsplätzen in Oberpfaffenhofen aus vielen Tausend Menschen das Leben gerettet werden.

Am Beispiel Indonesien, wo 2004 ein Tsunami etwa 200 000 Todesopfer forderte, haben die Wissenschaftler ein Frühwarnsystem entwickelt, das nach einem Seebeben einen Tsunami nicht nur schnell erkennt, sondern das in kurzer Zeit auch die Information liefert, wo und mit welcher Wucht er auf die Küste trifft. Hintergrund: In Indonesien haben die Menschen nach einem Seebeben vor der Küste nur etwa 30 Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Diese Systeme lassen sich, so Professor Dech, auch bei Überschwemmungen oder Bränden nutzen. Ministerpräsident Seehofer war "echt beeindruckt". Er sicherte den Forschern weitere Unterstützung: "Jeder Euro, der hier investiert wird, ist gut angelegtes Geld."

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