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Justiz: Bayerns Tacho-Mafia auf der Spur

Justiz

Bayerns Tacho-Mafia auf der Spur

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    Tacho-Tricksereien sind heutzutage an den meisten Autos denkbar einfach. Im Internet bieten zahlreiche Firmen ihre Dienste zur sogenannten „Tachojustierung“ an. Binnen weniger Minuten lässt sich der Kilometerstand verändern.
    Tacho-Tricksereien sind heutzutage an den meisten Autos denkbar einfach. Im Internet bieten zahlreiche Firmen ihre Dienste zur sogenannten „Tachojustierung“ an. Binnen weniger Minuten lässt sich der Kilometerstand verändern.

    Der Fall hat in der Gebrauchtwagenbranche für mächtig Aufregung gesorgt: „Schwerer Schlag gegen die Tacho-Mafia“, hieß es im März 2011 in vielen Medien. Die Polizei hatte 150 Objekte in ganz Deutschland durchsucht und Dutzende Verdächtige festgenommen. Es war die größte Autorazzia, die bisher in Deutschland stattfand. Ende des Jahres wurde gegen einen Münchner Autohändler Anklage erhoben. In einigen Wochen soll der Prozess gegen ihn (u. a. wegen Betrugs) beginnen.

    Der 41-Jährige aus München-Perlach war auch als Gutachter tätig. Er manipulierte laut Anklage Tachos an Luxuswagen und verkaufte diese dann zu deutlich überhöhten Preisen weiter. Die Gewinnspannen betrugen bis zu 10000 Euro pro Fahrzeug – ein einträgliches Geschäft. Kriminalkommissar Alexander Hartinger kennt den Fall wie seine Westentasche. Der Beschuldigte sei kein Einzeltäter, betont er. Man habe ein ganzes Netzwerk in Südbayern entdeckt. Die Rolle von „90 Hauptbeschuldigten und 120 Randbeschuldigten“ würde derzeit noch untersucht. „Die Schadenshöhe liegt bei etwa vier bis fünf Millionen Euro“, schätzt er.

    Nach bisherigen Erkenntnissen kaufte die Bande vor allem in Italien, aber auch in Deutschland und Polen gebrauchte Luxuswagen, oft Leasing-Rückläufer der Marken BMW, Mercedes oder Audi, die sie dann in kürzester Zeit „frisierten“, wie die Manipulation von Tachometern umgangssprachlich genannt wird. Nach Angaben des Leiters der Abteilung Fahrzeugtechnik im ADAC Technikzentrum Landsberg/Lech, Markus Sippl, „dauert dies nicht viel mehr als eine Minute und ist später kaum mehr nachzuweisen.“

    Wenn der Kilometerstand sinkt, steigt der Verkaufspreis

    Das Geschäftsprinzip der Händler ist denkbar simpel: Wenn der Kilometerstand sinkt, steigt der Verkaufspreis. „Kriminelle richten so alleine in Deutschland jährlich einen Schaden von 5,4 Milliarden Euro an“, sagt Hartinger. In Bayern wird der Schaden auf einen mehrstelligen Millionenbetrag geschätzt. Die Dekra geht davon aus, dass der Kilometerzähler jedes dritten Gebrauchtwagens manipuliert ist. Die Folgeschäden gehen auch in die Millionen und können zu sicherheitsrelevanten Mängeln führen. Wegen mangelnder Wartung kann es nach Angaben der Experten zu Schäden an Bauteilen wie Bremsen, ABS, ESP und Airbags kommen.

    Nach Angaben des ADAC hat sich die Tachotrickserei regelrecht zu einem kriminellen Volkssport entwickelt, dessen Dunkelziffer extrem hoch sein dürfte. Vor allem bei Leasing-Fahrzeugen ist die zwischen 50 und 500 Euro günstige Nachjustierung beliebt.

    Auf die Spur kam die Polizei über Gebrauchtwagenhändler in Füssen

    Auf die Spur des Tachotrickser-Netzwerks in Bayern war die Münchner Polizei über zwei Gebrauchtwagenhändler in Füssen gekommen. Gegen die hatten die schwäbischen Kollegen bereits 2009 ermittelt und daraufhin eine Bande ausgehoben, die in Füssen, Kempten und in München mit dieser Masche aktiv war. Nach und nach tat sich den Ermittlern ein immer größeres Bild auf. Hartinger spricht von einer kriminellen Vereinigung.

    Unter Verdächtigen sind nach Angaben der Polizei auch Autohändler aus dem Raum Augsburg, darunter ein Vertreiber von Geräten zur Tachojustierung. Rechtlich gesehen ist es zwar so, dass das Nachstellen des Kilometerzählers grundsätzlich legal ist, wenn das in den Fahrzeugbrief eingetragen wird. „Aber alles andere ist Betrug“, erklärt Hartinger.

    Der Kriminaler fordert ebenso wie der ADAC, dass die Polizei noch nachhaltiger als bisher die Tachotrickser bekämpfen soll. „Dazu gehört es, spezielle Arbeitsgruppen einzurichten“, sagt er. Auch gesetzlich müsse nachgeschärft werden. Denn bisher sei sowohl der Strafrahmen (ein Jahr Haft bei Manipulation) als auch der Tatrahmen noch zu eng bemessen. Bereits der Versuch müsse strafbar sein, sagt der Kriminalhauptkommissar.

    Die Autohersteller geben bislang keine gute Figur ab

    Die Autohersteller geben beim Thema Tachosicherheit bislang keine gute Figur ab. Zwar haben beispielsweise Audi und BMW ihre Flaggschiffe wie A8 und 7er mittlerweile besser geschützt. „Aber auch diese Fahrzeuge sind spätestens ein Jahr nach Erscheinen manipulierbar“, sagt Sippl. Der ADAC fordert in diesem Zusammenhang die Hersteller auf, endlich zeitgemäße Sicherungstechnologie einzusetzen, wie sie in anderen Branchen längst üblich sind.

    Tipps für Gebrauchtwagenkäufer

    Innenraum Vorsicht bei Fahrzeugen, bei denen Kilometerstand und der Innenraum nicht zusammenpassen. Ein Auto, das beispielsweise 100 000 Kilometer hat, aber die Sitze völlig durchgesessen sind. Ein auffällig abgewohnter Innenraum spricht nicht für geringe Laufleistung.

    Motorraum Achten Sie auf Details. Immer wieder gibt es kleine und größere Hinweise, die verraten, wie viel Laufleistung ein Auto wirklich hat. Zettel oder Aufkleber im Motorraum zeugen beispielsweise oft davon, dass eine Inspektion bei einem Kilometerstand durchgeführt wurde, der noch gar nicht erreicht ist.

    Fahrzeugdokumentation Es ist Ihr gutes Recht nach der Fahrzeugdokumentation zu fragen. Je umfangreicher diese ist, desto einfacher kann ein Betrug ausgeschlossen werden.

    Anruf beim Vorbesitzer Automobile mit manipulierten Tachometern finden sich natürlich auch bei Gebrauchtwagenhändlern. Grundsätzlich kann es nicht schaden, beim Vorbesitzer anzurufen und nach dem letzten Tachostand zu fragen.

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